Der strenge EU-Grenzwert beim CO2-Ausstoß ist erreichbar und auch bezahlbar

9. April 2014


Mit innovativen Technologien, weiteren Leichtbaukonzepten und neuen Kraftstoffen kann die von der EU zur Regulierung des Kohlendioxid-Ausstoßes festgesetzte Menge von 95 Gramm CO2 pro Kilometer erreicht werden – und ist auch bezahlbar. Dies war der Tenor eines Expertentreffens aus der Automobil- und Zulieferindustrie, das vom saar.is- Branchennetzwerk „automotive.saarland“ in der IHK Saarland veranstaltet wurde.

Dr. Rolf Leonhard, Aufsichtsratsvorsitzender der Bosch Engineering GmbH sieht gute Chancen für die leichten PKWs, das EU-Umweltziel – es ist das strengste in der Welt - mit innovativen Technologien zu realisieren; diese seien auch schon „in Arbeit“. Für die schweren Premiumfahrzeuge benötige es aber zumindest eine Kombination mit Hybridisierung. Für die fernere Zukunft bis 2050 sieht Leonhard mehrere Wege zur CO2-freien Fahrt, gibt aber zu bedenken, dass bei Nutzfahrzeugen, Flugzeugen und Schiffen der CO2-Ausstoß um ein Vielfaches höher liege als bei PKWs. Das Kostenbudget der Hersteller für Technologiepakete (Umwelt, Sicherheit, Komfort und Fahrleistung) bezifferte Leonhard auf 4500,- Euro pro Neufahrzeug. Damit könne man schon einiges machen.

Dr. Detlef Kube, Leiter des Produktentwicklungszentrums  beim saarländischen Motorblockhersteller „Nemak“ (Dillingen) stellte neue Leichtbaukonzepte aus seinem Haus vor: „100 Kilogramm weniger Fahrzeuggewicht bedeuteten schon sieben bis vierzehn Gramm weniger CO2-Ausstoss pro Kilometer.“ Kube ist sicher, dass die künftigen Abgasnormen mit Hilfe von Gewichtsreduzierungen bei gleichbleibender Motorleistung zu schaffen sind: „Neue Materialien wie Aluminium und das Verkleinern (Downsizing) der Motoren sind hier sehr gute Möglichkeiten zur Erreichung der Abgasziele, ebenso die Designfreiheit bei Motoren oder ein optimiertes Temperaturmanagement zur maximalen Wärmeabfuhr.

Der beim Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) für Wirtschafts- und Klimapolitik zuständige Abteilungsleiter Dr. Martin Koers hob hervor, dass Deutschland auf einem guten Weg sei, um die Abgasziele zu erreichen: in sechs Jahren konnte die CO2-Belastung bereits um 22% reduziert werden.

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger sieht keinen Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie – im Gegenteil: „Die Ökologie wird die Ökonomie der Zukunft sein. Bei einem weltweiten CO2- Ausstoß von 35% im Individualverkehr und Transportsektor kann die Energiewende nur gelingen, wenn die Verkehrswende funktioniert“. Um das Autoland Saarland zukunftsfest zu machen, müssten auch zukünftig die richtigen Fragen gestellt werden und die Hochschulen mit ins Boot genommen werden.

Dr. Pascal Strobel von „automotive.saarland“ nannte noch einige für die Automobil-Unternehmer spannende Zahlen aus dem Saarland und gab einen Ausblick auf die Aktivitäten 2014: „Mehr als 10 Millionen Neufahrzeuge werden jährlich mit Teilen aus dem Saarland ausgerüstet“. Die saarländischen Unternehmen erwarteten einen deutlichen Umsatzanstieg in diesem Jahr, 30 % wollten ihr Personal erhöhen.  Strobel gab auch einen kurzen Ausblick auf die Veranstaltungen und Aktivitäten des Branchennetzwerks 2014: Das Technologiesymposium am 13. Oktober, der Start des Masterstudiengangs Automotive Production Engineering, verschiedene Automobilseminare und Unternehmensführungen sowie das Elektroauto Renault Fluence, das von  Mitglieder kostenfrei geliehen werden kann sprechen für das Motto von automotive.saarland: Die beste Möglichkeit die Zukunft vorherzusagen, ist sie zu gestalten.

Hintergrundinformation

saarland.innovation&standort e. V. (saar.is) unterstützt Unternehmen der saarländischen Wirtschaft mit einem umfassenden Dienstleistungsangebot bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft sowie bei der Erschließung neuer Absatzmärkte. Die Bereiche IT, Healthcare, Automotive und Produktionstechnik werden in eigenen Clustern gefördert. Forschung, Entwicklung und Wirtschaft profitieren von zahlreichen Fördermaßnahmen wie Veranstaltungen, individuellen Beratungen zu Gründung oder Förderung, Messen und Öffentlichkeitsarbeit. saar.is wird insbesondere vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr, der Staatskanzlei und der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes getragen und finanziert.
automotive.saarland ist ein Netzwerk, das die saarländischen Unternehmen der Automobilindustrie unterstützt. Es versteht sich vor allem als zentrale Kommunikations-Drehscheibe und als Impulsgeber für gemeinsame Initiativen.