Wolfgang Wahlster: ein Leben für Künstliche Intelligenz

21. Januar 2019


Professor Wahlster leitete über 30 Jahre den Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz an der Universität des Saarlandes und war seit 1988 als wissenschaftlicher Direktor des renommierten Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) tätig. Wir sprachen mit ihm.

 

Herr Professor Wahlster, Sie verhalfen dem Saarland zu Ruhm und Ehre. Gab es eine Entwicklung, die für Sie ganz besonders herausragend war?
Ja, das war sicherlich der Deutsche Zukunftspreis des Bundespräsidenten, den ich im Jahr 2001 als höchsten persönlichen Wissenschaftspreis ins Saarland holen konnte. Das ist bis heute während der bislang 22 Jahre dieses Wettbewerbs der einzige Zukunftspreis geblieben, der an einen Saarländer ging. Ich hatte damals mit meinem Team am DFKI fast zehn Jahre an dem weltweit ersten Dialogübersetzungssystem VERBMOBIL geforscht und es zur Anwendungsreife gebracht. Heute steht diese Technik weltweit zur Verfügung und wird tagtäglich millionenfach genutzt.

 

Sie haben die Themen Sprachdialogsysteme, Industrie 4.0 und kollaborative Roboter international geprägt. Was erwartet die Gesellschaft in der näheren Zukunft beim Thema KI?
Ein wichtiger neuer Schwerpunkt am DFKI in Saarbrücken ist das autonome Fahren, das ohne KI nicht möglich ist. Hierzu werden wir mit der im Saarland starken Automobilbranche und den Gesellschaftern des DFKI intensiv zusammenarbeiten. Das Saarland ist ja Informatikland und zugleich Produktionsland im Autosektor: Beim autonomen Fahren kommen diese beiden Stärken unseres Saarlandes zusammen. Auch die nächste Stufe der industriellen Revolution durch Industrie 4.0, die ich selbst ja bereits im Jahr 2010 zusammen mit meinen Kollegen Henning Kagermann und Wolf-Dieter Lukas als erster gestartet habe, kann nur mit KI erreicht werden. Die virtuelle Inbetriebnahme von Maschinen, die prozessbegleitende Qualitätskontrolle und die Echtzeitproduktionsplanung von hybriden Mensch-Maschine-Teams sind nur mit Deep Learning und KI-basierter Wissensverarbeitung erreichbar.

 

Auch Unternehmen müssen sich strukturell umstellen. Wohin geht die Reise?
Die zweite Welle der Digitalisierung kommt wie ein Tsunami auf unsere Wirtschaft zu: Erstmals wird die Künstliche Intelligenz die automatische Interpretation von digitalen Daten ermöglichen, so dass Texte, Bilder und Sensorwerte von Maschinen inhaltlich verstanden werden. Computer müssen nicht mehr für neue Aufgaben programmiert werden, sondern können mithilfe von Trainingsdaten selbst lernen, ein neues betriebliches Problem automatisch zu lösen.

 

Was sind die Herausforderungen und Chancen, gerade für KMU?
Auf jeden Fall müssen sich Mittelständler rasch und intensiv mit dem Thema beschäftigen, um die Chancen für ihr Unternehmen auszuloten. Das Hauptproblem besteht darin, wirkliche KI-Experten zu finden – der weltweite Boom hat den Arbeitsmarkt in Deutschland leer gefegt. Daher haben Unternehmen aus dem Saarland einen Vorteil, weil sie das DFKI als weltweit größtes KI-Zentrum direkt vor Ort haben. Wir haben täglich eine Vielzahl von Anfragen und unsere Forscher sind voll ausgebucht – aber für Saarländer versuchen wir natürlich immer, trotz unserer vollen Auftragsbücher noch eine Kooperation zu ermöglichen.

 

Wie kann saaris dabei unterstützen?
Das macht saaris ja schon in vielen gemeinsamen Veranstaltungen mit dem DFKI für Interessenten aus dem Saarland. Die neue KI-Strategie der Bundesregierung hat mit einem Budget von drei Mrd. Euro ja auch den Mittelstand im Fokus. Wir werden sicherlich mit den Bundesmitteln auch ein KI-Beratungszentrum für den Mittelstand in Saarbrücken realisieren können. Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass auf dem Gebiet der KI weitere erfolgreiche Spin-off-Unternehmen im Saarland entstehen werden und sich globale Player mit ihren KI-Abteilungen hier in der Nachbarschaft zum DFKI ansiedeln werden.