Texte auf Bildschirmen passen sich Lesegeschwindigkeit an

26. Mai 2015


Lesen von Texten legt jeder sein eigenes Tempo vor. Diese Tatsache haben sich Saarbrücker Informatiker zunutze gemacht: Sie haben ein Software-System entwickelt, das erkennt, wie schnell ein Text am Bildschirm gelesen wird. Es lässt dann den Text entsprechend Zeile für Zeile weiterlaufen. Die Technik setzt dabei auf im Handel erhältliche Eye-Tracking-Brillen, die Blicke der Nutzer erfassen, und errechnet darüber die Lesegeschwindigkeit. Das Verfahren könnte auf großen Bildschirmen in Bahnhöfen und Einkaufzentren oder bei elektronischen Büchern zum Einsatz kommen.

Rund 200 Wörter schafft der durchschnittliche Leser in der Minute. Hat er eine Seite in einem Buch gelesen, blättert er um. Anders ist es beim Lesen am Bildschirm: Der Nutzer zieht den Text zum Beispiel mit der Maus nach oben. Dies möchten Informatiker der Universität des Saarlandes und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) ändern: Sie setzen für ihre Technik auf die Blickbewegungen der Augen. Darüber analysieren sie die Lesegeschwindigkeit und passen dabei die Anzeige des gelesenen Textes automatisch an.

Mit der Methode können derzeit drei Leser gleichzeitig auf einem Bildschirm denselben Text lesen. „Für jeden Leser gibt es dazu ein eigenes kleines Lesefenster im Text“, erklärt Christian Lander, der als Doktorand bei Professor Antonio Krüger im Innovative Retail Laboratory des DFKI forscht. Vorstellbar sei, dass die Technologie in ein paar Jahren auf großen Bildschirmen etwa in Bahnhöfen oder Einkaufszentren zum Einsatz komme. Um die Blicke der Leser zu erfassen, sind zwar derzeit noch die Tracking-Brillen notwendig. Das Verfahren könnte aber künftig beispielsweise in nutzerfreundlichere Brillen wie die Datenbrille Google Glass eingebaut werden. Zudem bietet sich die Methode für kleinere Bildschirme oder elektronische Bücher an.

(Quelle: http://idw-online.de/de/news626593)