Sozialministerium und Landespflegerat initiieren „Pflegepakt Saarland“ – für eine bessere und wertschätzende Pflege im Land

Gemeinsames Ziel: bessere Ausbildung und bessere Arbeitsbedingungen, mehr gesellschaftliche Anerkennung und mehr Familienfreundlichkeit

 

31. Mai 2016


„Sich um Menschen und deren Pflege und Wohlergehen zu kümmern zählt zu den wichtigsten Aufgaben einer Gesellschaft. Leider erfolgt nicht immer eine angemessene Würdigung der Arbeit in der Pflege. Arbeitsbelastung und Arbeitsbedingungen bringen Pflegekräfte oft an den Rand der Belastung und Zumutbarkeit. Die Attraktivität der Pflegeberufe und die Gewinnung qualifizierten Nachwuchses leiden darunter. Damit soll nun im Saarland Schluss sein:
 
Pflegekräfte verdienen mehr – mehr Wertschätzung und Anerkennung in ihrer Arbeit. Auch müssen und wollen wir gemeinsam weitere Anstrengungen unternehmen, um die tägliche Arbeit von Pflegekräften in der Alten- und Krankenpflege zu erleichtern und den Beruf interessant machen für den Nachwuchs“, so Sozialministerin Monika Bachmann im Rahmen der heutigen Landespressekonferenz in Saarbrücken.

„Gemeinsam mit dem Landespflegerat haben wir daher als Landesregierung den „Pflegepakt Saarland“ initiiert, um ein weiteren wichtigen Impuls im Saarland zu setzen für eine Verbesserung der Pflegesituation. Der Pflegedialog nach den Pflegeskandalen war ein erster Schritt. Auch die neuen bundesgesetzlichen Regelungen etwa durch die drei Pflegestärkungsgesetze, das Palliativgesetz, das Krankenhausstrukturgesetz mit dem Pflegezuschlag und dem Pflegestellenförderprogramm und das Pflegeberufegesetz leisten einen wichtigen Beitrag für eine Verbesserung der  Rahmenbedingungen in der Pflege.   

Mit dem Pflegerat wollen wir im „Pflegepakt Saarland“  nun alles daran setzen, dass die Menschen, die in der Pflege arbeiten, sich auch in dem geänderten Rechtsrahmen wiederfinden. Wir wollen wichtige Handlungsfelder definieren etwa in der geplanten generalistischen Ausbildung, in der Fort- und Weiterbildung, in der Verbesserung des Arbeitsumfeldes, aber auch in der Struktur der Pflege insgesamt, so Bachmann.

„Dieser Prozess kann nur gelingen, wenn viele Partner sich an dem „Pflegepakt Saarland“ beteiligen: hier setzen wir auf die Krankenkassen, auf die Vertreter der Träger von Pflegeeinrichtungen, aber auch auf die Kostenträger, auf die Arbeitskammer und die Gewerkschaftsvertreter. Wir wünschen uns vor allem, dass die Gewerkschaft VERDI im Pflegepakt mitarbeitet und sich einbringt mit vielen guten Ideen. Das bringt mehr als auf Kosten der zu Pflegenden zu Arbeitsniederlegungen, Massenkündigungen und Schließung von ganzen Krankenstationen aufzurufen“, so Bachmann.
Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich aufgrund der demografischen Entwicklung im Saarland auf ca. 40.000 im Jahr 2030 deutlich erhöhen. Ebenso wird die Zahl von pflegebedürftigen Patienten, die in den Krankenhäusern akut behandelt werden müssen, weiter steigen. Hierauf müssen wir reagieren und Sorge tragen, dass wir auch in Zukunft gute und engagierte Fachkräfte in der Pflege haben. Hier muss im Krankenhausbereich noch nachgebessert werden: während die Zahl der Beschäftigten in der Altenpflege im Saarland deutlich gestiegen ist, hat sich die Zahl der Pflegekräfte in den 22 Kliniken seit 1996 nicht erhöht.   

„In der Pflege hat es einen nur marginalen Personalzuwachs gegeben, der aber mit einer deutlichen Verschiebung einhergeht. Im Funktionsdienst wurde das Personal mit nahezu 29 % deutlich erhöht. Auch im ärztlichen Dienst gibt es deutliche Zuwächse. Im Pflegedienst, d. h. bei der „Pflege am Bett“ wurde das Personal aber reduziert. 1996 waren auf Stationen knapp 6.800 Pflegekräfte im Saarland eingesetzt. Im Jahr 2013 nicht einmal mehr 6.500. Gute Pflege bedingt aber ein angemessenes Personaltableau. Die aktuellen bundesgesetzlichen Vorgaben müssen hier umgesetzt und Förderungen von neuen Pflegestellen an der richtigen Stelle ankommen, fordert Bachmann.

Ab 2017 erhalten Krankenhäuser einen Pflegezuschlag und darüber hinaus Förderungen aus dem Pflegestellenförderprogramm. Mit diesem Förderprogramm stellt der Bund in den Jahren 2016 bis 2018 Fördermittel in Höhe von 660 Mio. Euro für Neueinstellungen bzw. zur Aufstockung von Teilzeitstellen in der Pflege zur Verfügung. Ab 2019 werden diese Fördermittel dauerhaft auf 330 Mio. Euro festgeschrieben. Auch das Land unterstützt die Krankenhäuser mit 28,5 Mio. Euro und weiteren 6 Mio. Euro für Umstrukturierungen.

Ziel des „Pflegepakt Saarland“ wird es sein, mit den Beschäftigten und den Trägern die Arbeitssituation in den Krankenhäusern und in den Bereichen der Alten- und Behindertenpflege kritisch aufzugreifen und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten zu diskutieren.
Ein Schwerpunkt des Pflegepaktes ist vor allem die Umsetzung der generalistischen Ausbildung: die bundesgesetzliche Novelle sieht ein Zusammenführen der bisher getrennten Ausbildungen in einem neuen Pflegeberufegesetz vor. Die Altenpflegeausbildung sowie die Gesundheits- und Krankenausbildung werden somit in eine einheitliche Ausbildung überführt. Dazu gehört auch die Vermittlung von übergreifenden pflegerischen Qualifikationen zur Pflege von Menschen in allen Altersgruppen und in allen Versorgungsbereichen.

„Diese Novelle muss aber von uns vor Ort konstruktiv und auch kritisch begleitet werden, d. h. die Sicherstellung einer guten Verzahnung zwischen Krankenhaus, Pflegestelle und Schule, muss gewährleistet bleiben, es bedarf einer Neukonzeption der Schulpläne auf der Grundlage des empfehlenden Rahmenplanes, der Sicherstellung einer auskömmlichen Anzahl an Praxisanleiterstellen sowie der Sicherung transparenter Fort- und Ausbildungsangebote. Auch muss für die Möglichkeit einer verkürzten aber dennoch qualitativ hochwertigen Ausbildung Sorge getragen werden. Ein sogenannter Pflegeassistent bzw. Pflegeassistentin mit einer Ausbildung von 2 Jahren sollte die bisher bekannte Ausbildung zu einem Pflegehelfer bzw. die Ausbildung zu einem Krankenpflegehelfer ablösen.

Auch die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern und in der Altenpflege müssen verbessert und attraktive Beschäftigungsbedingungen geschaffen werden. Attraktive Beschäftigungsbedingungen beinhalten insbesondere ein Gesundheitsmanagement und ein familienfreundliches Arbeitsumfeld.
Pflegekräfte sind in ihrem täglichen Tun körperlichen Anstrengungen ausgesetzt. Trotz technischer Verbesserungen verlangt die Pflege am Menschen Kraft und körperlichen Einsatz. Die Gesunderhaltung der Pflegekräfte und die Förderung der Gesundheit durch Präventionsangebote müssen daher stärker ausgebaut werden. Auch Angebote für eine Förderung von Familie und Beruf von Pflegekräften, die oft im Schichtdienst arbeiten, müssen besser werden. Familienfreundlichkeit muss in der Pflege Einzug  halten. Daher sollen die Partner des Paktes sollen daher die Entwicklung passgenauer Angebote unterstützen und in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich fördern. Auch Arbeitsmodelle müssen gegebenenfalls neu überdacht werden

Die wesentlichen Ziele des „Pflegepakt Saarland“ in Stichworten:

  • Neue generalistische Ausbildung in der Pflege mit den Alten- und Gesundheits- und Krankenpflege im Saarland umsetzen
  • Akademisierung des Pflegeberufes fördern.
  • Förderung der Pflegeforschung
  • Durchlässiges System von Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten schaffen
  • Einführung einer mindestens zweijährigen Ausbildung zum Pflegeassistenten/assistentin
  • Familienfreundliche Arbeitszeiten im Schichtsystem schaffen
  • Einführung eines flächendeckenden betrieblichen Gesundgeheitsmanagements
  • Einsatz für mehr Personal in Einrichtungen
  • Stärkung der „Pflege am Bett“
  • Langfristige flächendeckende Versorgung von Schwangeren, Gebärende und jungen Mütter mit Ihren Kindern. Gemeinsam mit unseren Hebammen.


Hintergrund und Fakten:

In den 112 ambulanten Pflegediensten waren 2013 insgesamt 3.355 Kräfte beschäftigt, davon 2.123 in der Grundpflege. Das Personal der 151 stationären Altenpflegeeinrichtungen belief sich auf 9.479 Kräfte, von welchen 5.971 im Bereich „Pflege und Betreuung“ eingesetzt waren. Gegenüber dem Jahr 1999 wurde das Personal in der ambulanten Pflege um rund 56 % und in der stationären Pflege um knapp 76 % aufgestockt. Die Anfang 2015 veröffentlichte „Laumann-Studie“ hat für die Altenpflegefachkräfte ein Median-Bruttoentgelt im Saarland in Höhe von 2.585 EUR/Monat ermittelt. Im Bund wurden 2.441 EUR gezahlt. Auch die Altenpflegehelfer schneiden im Saarland besser ab: 1.979 EUR stehen 1.741 EUR gegenüber, die bundesweit gezahlt wurden.
Mit 1.362 Auszubildenden im vergangenen Schuljahr nimmt das Saarland ebenso in der Altenpflegeausbildung im Bundesvergleich einen Spitzenplatz ein. In den im Jahr 2013 bestehenden 21 Krankenhäusern waren insgesamt 8.403 Pflegekräfte eingesetzt. Gegenüber dem Vergleichsjahr 1996 eine Steigerung von rund 1,5 %. Das Personal in der Funktionspflege wurde um gut 29 % auf 1.920 Kräfte im Jahr 2013 aufgestockt. Die Kräfte im Pflegedienst („Pflege am Bett“) wurden im selben Zeitraum um knapp 5 % reduziert: 6.797 Pflegekräfte in 1996 standen 6.483 Pflegekräften im Jahr 2013 gegenüber. Die Entlohnung der Krankenpflegefachkräfte liegt mit 3.293 EUR/Monat (Median-Brutto-Entgelt) rund 8 % über dem Bundeswert. Zuletzt gab es hier 1.363 Auszubildende. Laut dem aktuellen Krankenhausplan werden über 2.000 Stellen für Auszubildende in den Gesundheitsberufen vorgehalten.