Schülerlabor der Materialwissenschaft präsentiert Handyrecycling

21. September 2015


Rund 100 Millionen gebrauchte Handys liegen in Deutschlands Schubladen. Jedes enthält Spuren von Gold und Silber, etliche Gramm Kupfer und seltene Erden. Warum diese Wertstoffe in den Produktkreislauf gehören, lernen Jugendliche im Schülerlabor der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik an der Universität des Saarlandes. Einige saarländische Schüler durftenihre Experimente am 15. und 16. September 2015 auf der Konferenz "Die Zukunftsstadt als Rohstoffquelle - Urban Mining" in Bonn vorstellen, auf der sich mehrere vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekte zum Recycling von Metallen und Mineralien präsentieren. Das Schülerlabor der Universität des Saarlandes wurde als bundesweit einziges Schülerprojekt ausgewählt.

"Alle Elektrogeräte enthalten wertvolle Rohstoffe, die man nach der Nutzung über verschiedene Recyclingverfahren wiedergewinnen kann. Am Beispiel der Smartphones lässt sich außerdem aufzeigen, wie wichtig eine nachhaltige Produktentwicklung ist, damit zum Beispiel kostbare Edelmetalle erst gar nicht zum Einsatz kommen. Zum Vergleich: Eine Tonne Golderzgestein enthält so viel Gold, wie man zur Herstellung von nur 42 Handys benötigt", sagt Professor Mücklich, Professor für Funktionswerkstoffe der Universität des Saarlandes und Leiter des Schülerlabors Advanced Materials (SAM). Mit den Experimenten rund um das Handy hat das materialwissenschaftliche Schülerlabor der Saar-Uni die „Handykampagne“ der saarländischen Landesregierung unterstützt. Diese wollte Schülerinnen und Schüler dazu motivieren, ihre gebrauchten Handys zum Recycling zu geben und sich im Unterricht etwa mit der Frage zu beschäftigen, wie sich ihr eigenes Konsumverhalten auf die Umwelt auswirkt. Dafür wurden den Lehrern vielfältige Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt. Die Deutsche Telekom, die sich um das umweltgerechte Recycling von ausgedienten Handys kümmert, unterstützte die Kampagne mit so genannten Rohstoffboxen. Diese enthalten Proben der wichtigsten Rohstoffe, die in einem Handy enthalten sind.

Sie kommen jetzt auch im Schülerlabor der Materialwissenschaft auf dem Universitätscampus zum Einsatz. Dort zerlegen Jugendliche ihre alten Handys und analysieren die Inhaltsstoffe mit Hilfe von Magneten, Mikroskopen und Röntgengeräten. Dabei erfahren sie mehr über Metalle, Kunststoffe und seltene Erden und verstehen, warum das Handyrecycling so aufwändig ist. „Wir wollen am Beispiel von gebrauchten Handys zeigen, dass man wertvolle Ressourcen nicht vergeuden darf, sondern in den Kreislauf zurückführen sollte. Der Abfall ist hier kostbarer Rohstoff am falschen Ort“, sagt Frank Mücklich.

Mit Schraubenzieher und Heißluftfön nehmen die Schüler im Labor ausgemusterte Handys bis auf ihre Grundbausteine auseinander. Sie lernen dabei, die einzelnen Bauteile zu benennen und können sich auch darin üben, das Gerät wieder zusammenzubauen. „Mit Hilfe des Periodensystems der Elemente erfahren die  Schüler mehr über die chemischen Inhaltsstoffe der Handys und bestimmen zum Beispiel, welche Metalle darin besonders wertvoll sind“, erläutert der Saarbrücker Materialforscher. Über einen Versuch mit verschiedenen Salzlösungen analysieren die Schüler zudem die im Handygehäuse verbauten Kunststoffe  und erörtern, wie man diese recyceln kann.

Mit dem Schülerlabor Advanced Materials will die Universität die Schülerinnen und Schüler möglichst frühzeitig für die Materialwissenschaft und Werkstofftechnik interessieren. „In der Schule lernt man naturwissenschaftliche Fächer wie Physik und Chemie kennen, aber hat keine Vorstellung davon, wie die Materialforschung als faszinierende Kombination der verschiedenen Naturwissenschaften und als Brücke zu den Ingenieurwissenschaften aussieht“, sagt Frank Mücklich. Neuartige Materialien mit maßgeschneiderten Kombinationen von Eigenschaften seien heute für viele Branchen entscheidend, um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen, etwa in der Energieerzeugung, Medizintechnik, Automobilindustrie und im Maschinenbau.