Quo vadis Künstliche Intelligenz?

1. August 2018


Dr. Jan Alexandersson ist Leiter des Kompetenzzentrums Ambient Assisted Living am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Beim PharmaForum 2018 präsentierte er „DELTA“, eine heute noch futuristisch anmutende Sprachanalyse zur frühzeitigen Erkennung von Demenz. Wir sprachen mit ihm über die digitalisierte Zukunft, in der das Thema „Künstliche Intelligenz“ eine wesentliche Rolle spielen wird.

 

Was ist heute in der Künstlichen Intelligenz schon möglich? Wo liegen die langfristigen Ziele?
KI ist als Themenfeld inzwischen wirklich groß geworden und wird durch die Erschließung neuer Anwendungen in unterschiedlichen Bereichen in den nächsten Jahren noch erheb¬lich an Bedeutung gewinnen. Grenzen gibt es im Wesentlichen in unseren Köpfen. Wenn es um die langfristigen Ziele geht, müssen wir die verschiedenen Interessengruppen der Gesellschaft betrachten. Es gibt KI-basierte Systeme, z. B. im Bereich Finance-Analytics, die rein ökonomischen Interessen dienen, und es gibt auch altruistische Anwendungen, bei denen die Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund steht.

 

Sie kommen aus der Wissenschaft, dem DFKI, und haben jetzt ein Start-up gegründet. Worum handelt es sich dabei?
Am DFKI blicken wir auf mehrere Jahrzehnte Forschung und Entwicklung im Bereich der Sprachtechnologie zurück. Meine Kollegen und ich haben jetzt die Möglichkeit wahrgenommen, dieses gesammelte Wissen in reale Anwendungen zu überführen. Bei unserem Start-up „ki elements“ geht es um ein Unterstützungstool für Neuropsychologen zur Erstellung von Diagnosen bei Verdacht auf Demenz. Das Tool – Delta – ist eine digitalisierte Version der seit 50 Jahren verbreiteten Anamneseverfahren mit Stift und Papier.

 

Wie wichtig sind Kooperationen mit anderen Forschern und Unternehmen für Sie?
Eine junge Firma hat Elan und Willen, aber oft wenig Erfahrung. Durch den Austausch mit anderen Unternehmen können vor allem schnellere und bessere Entscheidungen getroffen werden.

 

Wie essentiell ist die Interdisziplinarität?
Je nachdem, wo wir in der Forschungsskala unterwegs sind, kann Interdisziplinarität fundamental wichtig sein! Für Grundlagenforschung kann sie völlig belanglos oder sogar hinderlich sein. Für Innovationsforschung ist sie wirklich essentiell! Durch die verschiedenen Erfahrungen und Sichtweisen erhöhen sich die Chancen, etwas Sinnvolles zu erarbeiten. Ein gutes Beispiel ist das Innovationsprojekt „mobisaar“. Hier könnte keiner der Partner das Projekt alleine stemmen. Vielmehr fördern wir uns gegenseitig!

 

Welche Rolle spielt saaris bei Ihren Aktivitäten?
saaris als Netzwerkpartner ist gerade für ein Start-up sehr förderlich. Beim diesjährigen PharmaForum konnten wir viele gute Kontakte knüpfen! Ich freue mich auf eine weitere Zusammenarbeit.

 

Sehen Sie Möglichkeiten des Einsatzes von KI in der Steuerung und Entwicklung von personalisierten Trainingsplänen für Sportler oder Reha-Patienten?
Diese Möglichkeiten durch KI stellen wir seit fast zehn Jahren am DFKI unter Beweis: Im Projekt „PAMAP“ beispielsweise ha¬ben wir durch die Kombination von körpergetragener Sensorik und visuellen Rückmeldungen Bewegungsabläufe fast millimetergenau überwachen können. Ein anderes Beispiel ist „Smart- Mat“, eine intelligente Sportmatte, die in der Lage ist, Anzahl, Intensität, Geschwindigkeit oder die Dauer von Fitnessübungen zu erkennen. Viel Beachtung fand auch das Projekt „verve“, in dem eine virtuelle 3D-Trainingsumgebung für Parkinson-Patienten geschaffen wurde. Damit könnten diese schrittweise das sogenannte Freeze-Symptom bekämpfen, das häufig an Türen oder anderen Engstellen auftritt und sie am Weitergehen hindert.


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Dr. Jan Alexandersson