Pflegekräfte aus dem Ausland: Interview mit Jens Spahn

Pflegekräfte aus dem Ausland einzustellen soll einfacher werden. Krankenhäuser, Pflegeheime und andere Einrichtungen können ihren Bedarf an die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits-und Pflegeberufe (DeFa) melden. Die DeFa kümmert sich um Anträge für Visa, Berufsanerkennung und Arbeitserlaubnis. Pflegekräfte aus dem Ausland sollen so binnen sechs Monaten in Deutschland arbeiten können. Das Saarland hat die DeFa in enger Abstimmung mit dem Bundes¬ministerium für Gesundheit (BMG) gegründet und damit einen Beschluss aus der Konzertierten Aktion Pflege umgesetzt.

 

31. Januar 2020


Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlandes: „Mit diesem Projekt bringt das Saarland seine Erfahrungen mit der Integration von internationalen Fachkräften ein. Die DeFa wird nicht nur die Antragsteller und die deutschen Behörden spürbar entlasten und dafür sorgen, dass die Gesundheitseinrichtungen schneller dringend benötigte Pflegefachkräfte aus dem Ausland erhalten. Wir verstehen unser Projekt vor allem auch als Initiative für Qualität, Integration und Nachhaltigkeit bei der Gewinnung von internationalen Fachkräften.“

 

Fragen und Antworten zur DeFa

Was macht die DeFa?

Die DeFa unterstützt alle Einrichtungen des Gesundheitswesens dabei, internationale Fachkräfte zu gewinnen. Die Agentur kümmert sich um Anträge auf Visa, Anerkennung der Berufserlaubnis, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Sie bündelt die Anträge zu Paketen und sorgt dafür, dass die Unterlagen vollständig und richtig sind. Das beschleunigt die Verfahren und entlastet so auch die beteiligten deutschen Behörden. Die DeFa hilft also in erster Linie bei den Verwaltungsverfahren. Auf Wunsch bietet sie aber auch weitere Leistungen an, wie die Auswahl von Bewerbern oder Sprachkurse im Ausland.

 

Wer kann den Service nutzen und was kostet es?

Die Dienste der DeFa kann jeder in Anspruch nehmen, der Pflegefachkräfte anwerben möchte. Das gilt auch für Personalserviceagenturen, die Pflegekräfte aus dem Ausland vermitteln. Für das Dokumentenmanagement und das Betreiben der Verwaltungsverfahren wird pro Einzelfall ein Entgelt von 350 € (netto) erhoben.

 

Wann kommen die ersten Pflegekräfte?

Bislang kann es mehr als zwei Jahre dauern, bis eine Pflegekraft alle erforderlichen Papiere hat, um in Deutschland zu arbeiten. Mit Unterstützung der DeFa sollen Pflegekräfte drei Monate nach dem Visa-Antrag nach Deutschland einreisen können. Ziel ist, dass nach weiteren drei Monaten die volle berufliche Anerkennung vorliegt. Entsprechenden Bedarf konnten Einrichtungen bis Mitte November an die DeFa melden. Die Agentur beginnt jetzt mit der Umsetzung, so dass die ersten Pflegekräfte im 2. Quartal 2020 in Deutschland eintreffen können.

 

Wer hat die DeFA gegründet und wer finanziert sie?

Das Saarland hat die DeFa am 4. Oktober 2019 gegründet, das Land ist alleinige Gesellschafterin der DeFa. Damit setzt die saarländische Landesregierung einen Beschluss der Konzertierten Aktion Pflege um, auf den sich die beteiligten Bundesministerien, die Länder, Arbeitgeber und Gewerkschaften, die Fachverbände und Vertreter der Patienten und Pflegebedürftigen im Sommer 2019 geeinigt hatten. Finanziert wird die Agentur hauptsächlich aus Mitteln des BMG.

 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Gespräch

Die Gesundheitswirtschaft benötigt deutschlandweit dringend Pflegekräfte. Die Bundesregierung ist auf der Suche nach guten Lösungen und findet mit der Deutschen Fachkräfteagentur (DeFa) einen Baustein dazu.

Wir sprachen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn darüber, wie der Branche mit der neuen Institution schnell und effektiv geholfen werden kann.

 

saaris/impuls: Herr Minister Spahn, wie ernst ist die personelle Lage in Deutschlands Gesundheitswirtschaft?

Jens Spahn: Wir haben zwar so viele Pflegekräfte wie noch nie. Allerdings steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen ständig. Inzwischen sind es mehr als vier Millionen. Deshalb haben wir ein Sofortprogramm verabschiedet, 13.000 neue Stellen in der Altenpflege geschaffen und jede neue Stelle im Krankenhaus finanziert. Aber die Stellen sind längst nicht alle besetzt. Es ist nur noch schwer möglich, bei uns Pflegekräfte zu finden.

 

saaris/impuls: Wie viele Pflegekräfte werden in den nächsten Jahren fehlen?

Jens Spahn: Dazu gibt es unterschiedliche Studien. Die jüngste hat die Uni Bremen im Auftrag der Pflegekassen erstellt. Danach benötigen wir bis 2030 ungefähr ein Drittel mehr Personal – vor allem Hilfskräfte. Aber egal eigentlich, welche Studie man zu Rate zieht. Alle zeigen: Es fehlen Zehntausende Pflegekräfte.

 

saaris/impuls: Wie wird die Bundesregierung diese Herausforderung stemmen?

Jens Spahn: Mehr Stellen, höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und eine moderne Ausbildung sollen dafür sorgen, dass der Beruf wieder attraktiver wird und sich noch mehr Menschen für diesen Beruf entscheiden. Aber ohne Pflegefachkräfte aus dem Ausland werden wir den steigenden Pflegebedarf nicht decken können. Und da sich durch die Zuwanderung von qualifizierten Pflegekräften aus dem Ausland die Personalsituation insgesamt entspannen wird, verbessern sich auch die Arbeitsbedingungen für heimische Pflegekräfte.

 

saaris/impuls: Welche Aufgaben übernimmt die Deutsche Fachkräfteagentur?

Jens Spahn: Es soll einfacher und schneller gehen, Pflegekräfte aus dem Ausland einzustellen. Die neue „Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe“ – kurz DeFa – sorgt dafür, dass Pflegefachkräfte aus dem Ausland schnell und unbürokratisch ein Visum und eine Arbeitserlaubnis erhalten. Ich bin dem Saarland sehr dankbar dafür, dass das Land in enger Abstimmung mit uns die Gründung der DeFa in die Hand genommen hat.

 

saaris/impuls: Sowohl die deutsche Gesundheitswirtschaft als auch die ausländischen Pflegekräfte werden profitieren. Wie wird die Praxis aussehen?

Jens Spahn: Bundesweit können Krankenhäuser, Pflegeheime und andere Einrichtungen ihren Bedarf an die DeFa im Saarland melden. Die Agentur kümmert sich dann um Anträge für Visa, Berufsanerkennung und Arbeitserlaubnis. Sie bündelt die Anträge zu Paketen und sorgt dafür, dass die Unterlagen vollständig und richtig sind. Das beschleunigt die Verfahren und entlastet so auch die beteiligten deutschen Behörden. Mit dieser Unterstützung sollen Pflegekräfte drei Monate nach dem Visa-Antrag nach Deutschland einreisen können. Ziel ist, dass nach weiteren drei Monaten die volle berufliche Anerkennung vorliegt. Pflegekräfte aus dem Ausland sollen so binnen sechs Monaten in Deutschland arbeiten können – bisher dauert das bis zu zwei Jahre.

 

saaris/impuls: Werden die Zuwanderer nicht auch in ihrer Heimat gebraucht?

Jens Spahn: Wir wollen keinem Land die Pflegekräfte wegnehmen, die dort selbst dringend benötigt werden! Deshalb sprechen wir nur Länder an, die über den eigenen Bedarf hinaus Pflegefachkräfte ausbilden und deren Bevölkerung im Schnitt sehr jung ist. Dies ist zum Beispiel auf den Philippinen und in Mexiko der Fall. Diese Länder verfügen zudem über gute Pflegefachausbildungen und sind damit einverstanden, dass Pflegefachkräfte für Deutschland angeworben werden.

 

Kontakt:

saaris, Thorsten Kiefer

Tel.: 0681 9520-874

E-Mail: info@defa-agentur.de

www.defa-agentur.de


Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit (© BMG)