Kompetenzbasierte Berufswegplanung: ein Workshop-Konzept

18. Dezember 2017


Fachliche Kompetenz ist heute nur noch ein Faktor unter vielen, der über die individuelle Arbeitsmarktfähigkeit entscheidet. Migranten bringen eine Fülle an Fähigkeiten mit, die sie in Deutschland oft nicht einsetzen können, weil sie nicht erkannt oder nicht anerkannt werden. Eine neue, von saaris zusammengestellte Arbeitshilfe zeigt sehr praxisnah, wie Workshops mit mehreren Einwanderern Kompetenzen ans Tageslicht bringen und wie sie durchgeführt werden können.

 

Die seit 2015 nach Deutschland geflüchteten Migranten, meist ohne Berufsabschluss, streben jetzt auf den Arbeitsmarkt. Für Migrationsdienste und Beratungsstellen ist die zunehmende Anzahl an Einzelberatungen nur schwer zu bewältigen. Bisherige Angebote der Anerkennungs-und Qualifizierungsberatung reichen nicht mehr aus.

 

Lösungen sind Workshops, die Migranten aufzeigen, über welche Ressourcen sie verfügen und was sie damit auf dem deutschen Arbeitsmarkt anfangen können. In fünf Einheiten erarbeiten die Teilnehmer ihre Kompetenzen durch strukturierte Selbstreflexion: „Wer bin ich?“, „Was kann ich?“, „Welche Schritte muss ich gehen?“. Gemeinsam mit der fachlichen Eignung und der Sprachenkompetenz ergibt dies ein realistisches Bild der individuellen Arbeitsmarktfähigkeiten.

 

Wie man solche Workshops aufbauen und durchführen kann, zeigt die saaris-Arbeitshilfe. Grundlage des neuen Leitfadens sind Erfahrungen von Workshops mit Migranten, die saaris gemeinsam mit Kooperationspartnern schon mehrfach durchgeführt hat. Konkrete Handlungsbeispiele und Abläufe, Hinweise zu interkulturellen Fragen oder hilfreiche Vorlagen machen es den beratenden Stellen damit leicht, einen solchen Workshop zu planen und eigenständig durchzuführen. „Trotz der genauen Beschreibungen ist der geschilderte Ablauf nicht der Weisheit letzter Schluss“, so die Verfasserin Barbara Brem in ihrem Vorwort. Es gebe noch genügend Raum für eigene Ideen.

 

Andrea Gaertner jedenfalls ist froh, eine solche Arbeitshilfe nutzen zu können: „Die Broschüre erinnert einen daran, sich selbst zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. Die enthaltenen zeitlichen Abläufe und Methoden bringen eine Konzentration auf das Wesentliche.“

 

Multiplikatorenschulungen
Basierend auf der Arbeitshilfe werden 2018 mehrere Multiplikatorenschulungen durchgeführt. Zielgruppe sind Berater, die Menschen mit Migrationshintergrund als Zielgruppe haben und Kompetenzfeststellung in ihrer Arbeit einsetzen wollen. Sie durchlaufen dabei das komplette Kompetenzfeststellungsverfahren. Gleichzeitig werden die Beratungsfachkräfte darin geschult, bereits kleinere Einheiten selbstständig anzuleiten und zu moderieren. Anschließend sind sie in der Lage sog. „KompetenzenWorkshops“ in ihrer Arbeit einzusetzen. Die Kosten werden durch das IQ-Projekt getragen.

 

Andrea Gaertner hat bereits an einer Multiplikatorenschulung teilgenommen: “Die Workshops ergänzen und vertiefen meine Angebote. Darüber hinaus nutze ich die Einheiten zur Vorbereitung auf die ProfilPass-Arbeit mit Ausrichtung Berufswegplanung. Die Kombination aus Sprachförderung, Profiling, Arbeitsmarkttraining und beruflicher (Nach-)qualifizierung steigert das Niveau der Fortbildungsveranstaltungen zusätzlich. Auch die Motivation der Teilnehmer, die bisher nur wenig Berührung mit selbstorientiertem Lernen hatten, steigt. Dies begünstigt die Öffnung der Zugewanderten für eine Neuorientierung oder eine weiterführende berufliche Bildungsmaßnahme. Sie lernen, vorhandene Arbeitsangebote mit ihrem persönlichen Portfolio abzugleichen, sodass neue oder alternative Arbeitsmarktchancen sichtbar werden.“


Ansprechpartner

Barbara Brem

Kompetenzbasierte Berufswegplanung

Tel.: 0681 9520-445

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: barbara.brem@saaris.de