Interview mit Professor Frank Mücklich von der Saar-Universität

16. Januar 2017


Prof. Dr. Frank Mücklich ist Inhaber des Lehrstuhls für Funktionswerkstoffe an der Saar-Universität. Gleichzeitig leitet er das Material Engineering Center Saarland, das saarländische Steinbeis-Forschungszentrum für Werkstofftechnik. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Wirtschaft zu transferieren. In einem Interview erklärt er in unserem Magazin saar.is/impuls, wie er das macht und wie saarländische kleine und mittlere Unternehmen (KMU) davon profitieren können.

 

Herr Prof. Mücklich, herzlichen Glückwunsch zum begehrten Berthold-Leibinger-Innovationspreis, der in der internationalen Fachwelt zu den wichtigsten Innovations- und Forschungspreisen in der Optik gehört. Um was geht es dabei?
Es geht darum, technische Oberflächen nicht einfach mit einer technisch bedingten Rauhigkeit oder etwa auch besonders glatt herzustellen, sondern je nach Funktion jede Oberfläche mit einem optimalen mikroskopischen „Oberflächen-Muster“ zu versehen, damit die jeweilige Funktion optimal erfüllt wird.

 

Wie kann man sich diese Innovation in einigen Jahren im Alltag vorstellen? Wer kann sie nutzen?
Eine wichtige Bedingung für den Leibinger-Innovationspreis war, dass wir nicht nur einen wissenschaftlich oder technisch interessanten Effekt präsentieren, sondern dass wir eine technische Umsetzung vorweisen können, die so effektiv ist, dass sie sich auch unter Produktionsbedingungen am Markt behaupten kann. Dabei spielen also auch die Kosten der Technologie eine entscheidende Rolle.

 

Es ist Ihnen wichtig, Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse auch in die Unternehmenspraxis zu transferieren. Wie machen Sie das?
Neben meinem Lehrstuhl, an dem ich an neuen Erkenntnissen forsche, leite ich das Material Engineering Center Saarland, das saarländische Steinbeis-Forschungszentrum für Werkstofftechnik, in dem wir gezielt genau diejenigen Ergebnisse, für die ein Transfer in die Anwendung denkbar erscheint, identifizieren und in eher anwendungsnahen Tagungen und Publikationen präsentieren. Dadurch kommen wir mit Fachleuten aus der Industrie und vor allem den industriellen Forschungszentren ins Gespräch und finden heraus, ob die technisch interessante Lösung tatsächlich auch unter den Randbedingungen der Industrie ausreichende Vorteile bringt und auch Aufwand und Kosten passend sind.

 

Können auch saarländische Betriebe davon profitieren? Wenn ja, wie? Und welche Voraussetzungen müssen sie mitbringen?
Wir kooperieren sehr intensiv auch mit saarländischen Firmen, wie beispielsweise in einer strategischen Partnerschaft mit dem Stahlproduzenten Dillinger bei der Erforschung neuer komplexer Stähle, die sich mit maßgeschneiderten Eigenschaften und wettbewerbsfähigen Kosten am Weltmarkt behaupten werden.

 

Sie haben viele Anfragen aus der Industrie. Wie können sich Unternehmen, auch KMU, aus der Region aktiv mit einbringen?
Wir haben herausgefunden, dass für unsere Art zu agieren der Erstkontakt nach dem Kennenlernen am besten über kleinere Machbarkeitsstudien vertrauensvoll aufgebaut werden kann. Damit lernen wir rasch und ohne viel bürokratischen Aufwand, ob, und wenn ja wie, wir mit unseren speziellen Kompetenzen der jeweiligen Firma helfen können und welchen Aufwand das bedeutet. Unsere danach folgenden Angebote versprechen dann niemals zu viel, sondern sind maßgeschneidert für die jeweilige Problemlösung. Hier ist räumliche Nähe ein Vorteil und nicht selten übergeben wir dann unser spezielles Know-how sogar im wahrsten Sinne „persönlich“, wenn die Firma nämlich durch die Kooperation bei uns einen engagierten neuen Mitarbeiter oder eine neue Mitarbeiterin gewonnen hat.


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