Innovationsbeauftragte des Bundes informiert sich über Wasserstoff-Initiative im Saarland

Der Innovationsbeauftragte „Grüner Wasserstoff“ beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Stefan Kaufmann, hat das Saarland besucht und sich in Begleitung des Bevollmächtigten für Innovation und Strategie, Ammar Alkassar, über die Wasserstoffkompetenz saarländischer Unternehmen sowie der saarländischen Forschungslandschaft informiert.

 

27. Mai 2021


Homburg, seine Unternehmen und saaris verbinden Wirtschaftlichkeit, Innovationsfähigkeit und Nachhaltigkeit zu einem einem perspektivisch emissionsfreien starken Wirtschaftscampus

Als erste Station stand ein Besuch der Kreis- und Universitätsstadt Homburg auf dem Programm. Mit Betrieben wie Bosch, Schaeffler, ThyssenKrupp und Michelin sind dort große Namen genauso vertreten wie innovative Mittelständler, beispielsweise Moehwald, Theiss Naturwaren und Wegener Härtetechnik. Unter Führung der Stadt Homburg und der saarländischen Innovationsagentur saaris wird der Industriestandort Homburg auf Basis der Wasserstofftechnologie zukunftsfähig gestaltet. Dazu Ministerpräsident Tobias Hans: „Homburg hat die Weichen für die Industrie der Zukunft frühzeitig erkannt. Mit der Schaffung eines Clusters, der innovative Entwicklung auf dem Stand der Forschung mit der industriellen Umsetzung zusammenbringt, ist Homburg ein perfektes Beispiel für die Ausgestaltung der saarländischen Innovationsstrategie.“ saaris und die Stadt Homburg stellten Dr. Kaufmann die Eckpunkte eines Projektes vor, mit dem die Innovationspotentiale des Wirtschaftsstandortes gebündelt in einem gemeinsamen Cluster gesteuert werden. Alkassar: „Was Homburg, saaris und die Unternehmen hier am Standort leisten, wird nicht nur ein weiterer innovativer Schritt auf dem Strukturwandel im Land sein, sondern wegweisend für die gesamte Industrie.“
Bürgermeister Michael Forster ergänzt: „Hier werden Wirtschaftlichkeit, Innovationsfähigkeit und Nachhaltigkeit zur Umwandlung des Homburger Industriestandortes in einem perspektivisch emissionsfreien starken Wirtschaftscampus vereint.“ Die Stadt sei dabei, im Bereich ihres Fuhrparks zu prüfen, ob einzelne Fahrzeuge auf den Betrieb mit Wasserstoff umgestellt werden können. Michael Forster machte aber auch deutlich, dass ohne die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort ein solches Großprojekt nicht möglich und man dabei auf die Unterstützung von Land und Bund angewiesen sei. Er bat Uhl wie auch Dr. Kaufmann darum, das Projekt „positiv nach Berlin mitzunehmen“.

Homburger Unternehmen arbeiten gemeinsam am Großprojekt Wasserstoff

„Die große Frage ist: Wo kommt der Wasserstoff überhaupt her? Dann liegt der Fokus auf dem Aufbau von Produktionsstrategien, es geht darum Lieferbeziehungen in der ganzen Welt aufzubauen. Es gibt viele politische wie auch technologische Herausforderungen“, machte der Bundesbeauftragte deutlich. Er freue sich aber, „dass sich Homburg und die Firmen zur Brennstoffzelle bekennen. Klar müsste sein, dass wir die gesteckten Klimaschutzziele nicht ohne ´grünen Wasserstoff´ erreichen und dies wiederum ist nicht ohne zusätzliche Förderung möglich“. Nachdem Mitarbeiter der Firma Bosch die Modelle, Entwicklungsideen und Exponate vorgestellt hatten, ging es noch zu einer Besichtigung des Moehwald-Werkes. Moehwald ist mit modernster Prüftechnik für Diesel- und Benzineinspritzsysteme sowie für Hydraulikkomponenten weltweit vertreten und arbeitet innerhalb der Bosch-Gruppe innovativ an weiteren Technologien. Die weiteren Partner des Projekts „Wasserstoff-Initiative Homburg“ sind neben der Stadt Homburg und den Firmen Bosch, Moehwald und Schaeffler auch das Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme „izes“, die Karlsberg Brauerei, die Wegener Härtetechnik GmbH und Michelin sowie die Stadtwerke Homburg und saaris, saarland.innovation&standort e. V.
 
Ammar Alkassar: „Dillinger Hütte und Saarstahl zeigen, dass es möglich sein kann, zukünftig den prozessbedingten CO2-Ausstoss bei der Stahlherstellung schrittweise bis auf Null zu verringern.“

 

Bei der zweiten Station in der Dillinger Hütte informiert sich Dr. Kaufmann über die Wasserstoffallianz im Rahmen eines laufenden grenzüberschreitenden Interessenbekundungsverfahrens IPCEI sowie über die Anforderungen an die Stahlindustrie bei der CO2-Reduktion. Ammar Alkassar: „Dillinger Hütte und Saarstahl zeigen, dass es möglich sein kann, zukünftig den prozessbedingten CO2-Ausstoss bei der Stahlherstellung schrittweise bis auf Null zu verringern.“ Erste Schritte hat die Dillinger Hütte bereits mit der Eindüsung von Koksgas unternommen. Das IPCEI-Projekt H2SYNgas wird dazu beitragen, mit Wasserstoff den Pfad zum grünen Stahl weiter zu beschreiten. „Durch das Zusammenspiel der IPCEI-Projekte kann ein echtes Ökosystem in der Region geschaffen werden: Von der Erzeugung über die Vor-Ort Nutzung in Industrie und Verkehr bis hin zur Anbindung an die internationalen Wasserstoffnetze. Der internationale Charakter dieser Anträge und die Unterstützung aus allen Ländern der Großregion zeigt, wie lebendig die Zusammenarbeit der Partnerregionen ist. Die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg erweist sich mehr denn je als Stärke der Region und Mehrwert für unsere Unternehmen,“ erläutert Ammar Alkassar.


Zentraler Standortfaktor:
Nähe zu wissenschaftlicher Exzellenz


Zum Abschluss stand ein Besuch des Uni-Campus auf dem Plan. Beim Fraunhofer Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (Fraunhofer-IZFP) hatten die Institute in Anwesenheit der Beauftragten des Ministerpräsidenten für Hochschulen, Wissenschaft und Technologie, Dr. Susanne Reichrath, die Möglichkeit, ihre Exzellenz in den Bereich Engineering und Materialwissenschaften vorzustellen. Im Saarland sind nicht nur alle großen deutschen Forschungsgesellschaften mit mindestens einer Niederlassung in Uni-Nähe vertreten, sondern auch eigene Institute haben teils internationales Renommee bei Fragen zur Wasserstofftechnik. Insgesamt stellten sich vor: Das Fraunhofer IZFP, das Institut für ZukunftsEnergie und Stoffstromsysteme (IZES), das Zentrum für Mechatronik und Antriebstechnik (ZeMA), der Lehrstuhl von Prof. Motz, das Steinbeis Forschungszentrum Material Engineering Center Saarland (MECS), das Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM) und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Ministerpräsident Tobias Hans: „In einer Zeit, in der Sprunginnovationen zunehmend über die technologische Ausrichtung der Wirtschaft entscheiden, ist die Nähe zu wissenschaftlicher Exzellenz ein zentraler Standortfaktor. Im Saarland haben wir in fast einmaliger Form eine breit aufgestellte wissenschaftliche Exzellenz auf Weltklasseniveau. Mit diesem Standortvorteil und unserer Innovationsstrategie werden wir den technologiegetrieben wirtschaftlichen Strukturwandel im Saarland erfolgreich meistern.“

Saarland: Ingenieurgetriebene Industrieinnovationen und Digitalisierung werden zu einem innovativen Industriecluster zusammengefügt


Nachdem das Saarland bereits erfolgreich bundesweite Aufmerksamkeit bei seinen Kompetenzen in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit erzeugt hat, war der Besuch des Innovationsbeauftragten Dr. Kaufmann eine wichtige Gelegenheit, um auch auf die besonderen Kompetenzen des Saarlandes beim industriellen Wandel auf Basis der Wasserstofftechnologie aufmerksam zu machen. Grüner Wasserstoff ist ein wichtiger Schlüssel, um zukünftig im Saarland die Industrie klimaneutral und innovativ aufzustellen. Das betrifft die Herstellung neuer Produkte für diese Technologie genauso wie die Verwendung von Grünem Wasserstoff in einem modernen Energie- und Grundstoffmix. Im Saarland werden so in herausragender Weise die ingenieurgetriebenen Industrieinnovationen und die Digitalisierung zu einem innovativen Industriecluster zusammengefügt.