htw saar: Vom Fisch zur Mikroalge zum Fisch

5. September 2016


Prof. Dr. Uwe Waller zeigt seinen Studenten während der Vorlesung stolz das rezirkulierende Aquakultursystem (RAS) des Instituts für Physikalische Prozesstechnik (IPP). In der acht Kubikmeter umfassenden Anlage schwimmen derzeit circa 1.500 kleine Wolfsbarsche in glasklarem Wasser. Die Studierenden werfen kleine Stücke Fischfutter in das Becken, auf das sich die Fische gleich im Schwarm stürzen.

 

Die Fischzucht in Teichen, Fließkanälen oder Netzgehegen etablierte sich als kostengünstige und einfache Produktionstechnik. Bei der konventionellen Aquakultur werden die Fische somit in natürlichen Gewässern gezüchtet. Die offene Systemgrenze birgt allerdings Gefahren. Parasiten, Umweltkatastrophen oder Industrieunfälle können das Tierwohl enorm beeinträchtigen. Auf der anderen Seite werden die Exkremente der Fische im Gewässer von Algen als Dünger aufgenommen, sodass deren Wachstum explosionsartig zunimmt und das natürliche Ökosystem am Standort aus den Fugen gerät.

 

Rezirkulierende Aquakultursysteme, wie das der htw saar, haben keine offenen Systemgrenzen. Die Produktion findet ausschließlich an Land statt. Die Ausscheidungen der Fische werden physikalisch und bakteriell aus dem Wasser entfernt. Da das Wasser nicht ausgetauscht werden muss, werden natürliche Gewässer nicht belastet. Dennoch haben rezirkulierende Aquakultursysteme einen Nachteil mit der konventionellen Fischzucht gemein: Das Fischfutter stammt zu einem Teil aus Fischereiprodukten (Fischmehl und -öl). Demzufolge ist die Fischzucht von der Fischerei abhängig, wodurch sich die Frage nach der Nachhaltigkeit von Aquakultur stellt.

 

Professor Waller und sein Forschungsteam stellen sich dem Futtermittelproblem. Sie suchen Lösungen, um die im Wasser gelösten Ausscheidungen der Fische als Dünger für Mikroalgen nutzen. Diese Mikroalgen, welche in sogenannten Photobioreaktoren mit natürlichem Licht kultiviert werden, enthalten wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die für die Ernährung von Fisch und Mensch enorm wichtig sind. Aus diesen Algen soll daher in einem nächsten Schritt wiederum Futter für die Fische gewonnen werden. Somit kann der Kreislauf geschlossen werden.

 

Weitere Informationen auf www.htwsaar.de/forschung/profil/einrichtungen/ipp/bvt/aquakultur-im-kreislauf.