Geschäfte machen in Israel

9. Februar 2015


Ruth Kinet war vor kurzem als Referentin zu Gast bei der Veranstaltung "Israel und Nahost. Leben und Überleben in einer unsicheren Region" im Rahmen der saar.is-Reihe "Halberger Gespräche". Raphaela Adam von saar.is sprach mit ihr über die Möglichkeiten, in Israel geschäftlich Fuß zu fassen.

Ruth Kinet arbeitet als freie Autorin in Berlin für öffentlich-rechtliche Hörfunksender und Zeitschriften. Bis November 2012 hat sie fünf Jahre als freie Korrespondentin von Tel Aviv aus über Israel und die palästinensischen Gebiete berichtet. Sie reist weiterhin regelmäßig in ihr früheres Berichtsgebiet, um die Geschehnisse und Entwicklungen dort journalistisch zu begleiten. 2014 erschien ihr Buch "Israel – ein Länderportrait" im Christoph Links Verlag.

Unser Israelbild ist stark vom Nahostkonflikt geprägt. Sie haben einige Jahre in Israel gelebt: Stehen die Israelis wirklich jeden Morgen mit dem Gedanken an die Auseinandersetzungen mit den Palästinensern auf?
Nein. Keineswegs. Das Leben in Israel ist intensiv und fordernd. Auf jeder Ebene. Auch im un­spektakulären Alltag. Das Lebenstempo ist hoch, die Preise auch, zugleich sind die Einkommen niedrig, die Arbeitszeiten lang und die Verkehrsstaus auch. Bei alledem wird aber auch viel gelacht und genossen.
Dennoch ist das Lebensgefühl in Israel vermutlich nicht mit dem der Saarländer zu vergleichen. Die reale Bedrohung durch Terroristen im Land und feindliche Nachbarstaaten befördert einen kollektiven Bewusstseinszustand, der zwischen Wachheit und Wachsamkeit changiert. In Panik geraten die Israelis auch in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen nicht. Sie informieren sich dann zwar rund um die Uhr über alle zur Verfügung stehenden medialen Kanäle und ergreifen unter Umständen Vorsichtsmaßnahmen. Sie versuchen aber immer, ihren Alltag aufrecht zu erhalten so lange es geht.

In Ihrem Buch schildern Sie Israel als Land der Pioniere und Idea­listen. Angst vor Neuanfängen sei nicht ausgeprägt. Sicherlich nicht die schlechteste Voraussetzung für eine lebendige Forschungslandschaft und eine innovative Wirtschaft, oder?
Israelis begeistern sich für das Neue. Und erheben an sich und andere immerfort den Anspruch, Neues hervorzubringen. Dieser Anspruch ist eine der Früchte der über Jahrhunderte praktizierten jüdischen Hochkultur des Lernens in der Talmud-Schule, wo es immer auf das Fragen ankommt, keinesfalls auf das schlichte Beherrschen von Wissen. Von Schülern wird ein "Chiddush" erwartet, eine neue und eigene Interpretation eines göttlichen Gebotes oder einer rabbinischen Empfehlung. Die jüdische Tradition ermuntert den Schüler dazu, sich gegen seinen Lehrer zu stellen, ihm zu widersprechen und zu begründen, worin und warum er Unrecht hat. Als guter Schüler gilt der, der seinen Lehrer herausfordert.

Was würden Sie einem saarländischen Unternehmer raten, der in Israel geschäftlich Fuß fassen möchte? Gibt es Do‘s und Don’ts, die beachtet werden müssen?

Seien Sie unerschrocken, authentisch und direkt.

Sie verbringen viel Zeit in Israel. Was spricht aus Ihrer Sicht für eine Begegnung mit Israel?
Was spricht dagegen?

 

Kontakt:

Raphaela Adam

Internationalisierung

Tel.: 0681 9520-480

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: raphaela.adam(at)saar-is.de