Fachkräftemangel lösen: Interview mit Professor Scholz

24. September 2018


Der Fachkräftemangel ist da! Trotzdem eine gute Nachricht: Unternehmen sind nicht allein bei der Überwindung dieser großen Herausforderung. saaris unterstützt sie mit zahlreichen Veranstaltungen und Beratungsangeboten. Und auch die Forschung gibt wertvolle Hinweise, wo die Reise hinführen wird und was heute zu tun ist. Unsere Redaktion sprach mit einem der weltweit renommierten Päpste des Personalmanagements, Prof. Dr. Christian Scholz von der Universität des Saarlandes.

 

Herr Professor Scholz: Was sollten Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt tun, um trotz Fachkräftemangel wettbewerbsfähig zu bleiben?
Mitarbeiter müssen besser im Unternehmen gehalten werden. Durch falsch verstandene Digitalisierung gibt es eine negative Entwicklung des Betriebsklimas und gute Mitarbeiter springen ab. Und es fehlt oft eine zeitgemäße Strategie zur Personalbeschaffung. Also: Über welche Kanäle kann ich welche Personengruppen mit welchen Botschaften ansprechen? Die falschen Antworten darauf sind Facebook oder diffuse „Schrotschüsse“ durch Social Media. Unternehmen brauchen ein umfassendes Medien-und Kommunikationsmanagement. Das ist aktuell eine meiner Vorlesungen, die auf besonders viel Interesse stößt: Denn wir reden nicht länger von einer isolierten Personalarbeit oder einer digitalen Personalsteuerung, sondern von menschlichem Ver¬halten in einer faszinierend-dynamischen Informationswelt.

 

Sie forschen seit mehreren Jahren an der Generation Z, die ab Anfang der 1990er Jahre geboren ist. Wie ticken diese jungen Erwachsenen?
Die typischen Z-ler sind von Rund-um-die-Uhr-Betreuung in Kita und Schule bis zur fatalen Umsetzung der Bologna-Reform an Strukturen gewöhnt. Und an ihre Helikopter-Eltern. Konsequenz: Die Generation Z sieht einen Anspruch auf Struktur und auf Sicherheit ohne Wettbewerb. Was sie auch will: geregelte Arbeitszeiten, unbefristete Verträge und einen eigenen Schreibtisch – aber kein Großraumbüro mit Desksharing und Zwangsaktivierung durch Activity-Based-Working. Genau deshalb könnten gerade kleinere Unternehmen ideale Arbeitgeber für die jüngeren Fachkräfte sein – wenn sie sich richtig auf die Generation Z einstellen.

 

Überall wird von „Work-Life- Blending“ gesprochen. Wie sollten sich Unternehmen darauf einstellen?
Unternehmen sollten explizit Work-Life-Blending ausschließen. Das bringt ihnen klare Wettbewerbsvorteile. Denn auch wenn Industrieverbände und damit unsere Politik immer wieder Work-Life-Blending – also das fließende Eindringen vom Beruf ins Privatleben – fordern, wird diese Arbeit auf Abruf immer weniger von Mitarbeitern und erst recht nicht von Fachkräften akzeptiert: Sie alle wollen eine klare Trennung zwischen Berufs- und Privatleben. Und das ist auch gut so.

 

Wie können Wirtschaftsförderungsgesellschaften wie saaris unterstützen?
Aktuell wird „Digitale Transformation“ auf IT-Einführung reduziert und verlangt, dass Menschen sich anpassen. Das ist der falsche Weg. Unternehmen brauchen dringend professionelle Hilfe, um wieder Wünsche und Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen – auch im eigenen Interesse, denn letztlich bleiben sie weiterhin auf Fachkräfte angewiesen.


Ansprechpartner

Tatjana Kares

Presse / Redaktion

Tel.: 0681 9520-476

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: tatjana.kares@saaris.de