Erfolgsrezept für KMU: Innovationsfähigkeit und Digitalisierung

14. Februar 2018


Markus Thomas Münter, Professor für Volkswirtschaftslehre an der htw saar, wurde 2016 zum „Professor des Jahres“ gekürt. Er hat jetzt innovationhub@htwsaar gegründet und unterstützt KMU beim Aufbau neuer Geschäftsmodelle und der Digitalisierung. Wir sprachen mit dem Hochschullehrer, der auch in Veranstaltungen bei saaris als Experte auftritt, über Chancen und Risiken von KMU im Wettbewerb mit digitalen Plattformen und die neuen Herausforderungen an die Innovationsfähigkeit.

 

Herr Professor Münter, deutsche Unternehmen sind bei der Digitalisierung und Vereinfachung der Arbeitsabläufe gut aufgestellt. Nicht jedoch bei der langfristig notwendigen Veränderung ihrer Geschäftsmodelle. Sehen Sie da eine Gefahr speziell auf die KMU zukommen?
Wir sehen in zahlreichen Studien, dass KMU das Thema Digitalisierung als Prozessoptimierung zur Kostensenkung angehen – das ist mittelfristig zu kurz gesprungen. Die künftige Wettbewerbsfähigkeit von KMU wird wesentlich durch zwei Größen beeinflusst: Innovationsfähigkeit im Kerngeschäft und das Ergreifen der Möglichkeiten von Digitalisierung. Dazu gehört zwingend die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, das geht jedes Unternehmen an – vom Bäcker an der Ecke bis hin zum Hersteller von Schaltkästen. Ein ‚weiter wie bisher‘ wird das Überleben von KMU nicht gewährleisten können – die Beispiele Quelle Versand, Nokia oder Brockhaus veranschaulichen dies deutlich. Gerade digitale Plattformen erweisen sich zunehmend als Treiber dieser verzahnten Entwicklungen.

 

Was steckt hinter diesen digitalen Plattformen und mehrseitigen Märkten?
Digitale Plattformen bringen oft mehrere Märkte zusammen – Mitglieder von Facebook und werbetreibende Unternehmen, Hotels und Urlauber über Vergleichs- und Bewertungsportale wie Booking.com oder TripAdvisor, Anbieter und Nachfrager von Fahrdienstleistungen wie Uber oder Lyft. Die Besonderheit der digitalen Plattformen liegt in der Erfassung und Auswertung von Daten, meist ohne selbst physische Produkte anzubieten oder herzustellen. Diese Plattformen wachsen sehr schnell auf Basis von Netzwerkeffekten: Je mehr Nutzer dabei sind, desto attraktiver ist die Plattform für weitere Nutzer und Anbieter – damit werden andere Unternehmen vom Markt verdrängt.

 

Was raten Sie insbesondere den KMU?
Beschäftigen Sie sich mit Plattform-Geschäftsmodellen und digitalen Ökosystemen. KMU müssen hier zeitnah eine strategische Weichenstellung vornehmen: Schaffe ich es selbst, ein Ökosystem zu etablieren, oder gehe ich eine Partnerschaft mit einer bestehenden Plattform ein? Gerade hier sehen wir deutlichen Nachholbedarf: In einer Bitkom-Studie 2017 geben über 60 % der deutschen Unternehmen an, die Begriffe ‚Plattform-Ökonomie‘ oder ‚mehrseitige Märkte‘ nicht zu kennen und damit den strategischen Hintergrund von Geschäftsmodellen wie Uber, Google, Facebook oder Netflix nicht zu verstehen – aus meiner Sicht eine beunruhigende Bestandsaufnahme der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.

 

Wie können Sie und Ihr innovationhub-Team die Unternehmen unterstützen?
Viele Unternehmen haben Digitalisierung noch nicht zum integralen Bestandteil ihrer Strategie gemacht – genau hier setzen wir an. innovationhub@htwsaar unterstützt mittelständische Unternehmen insbesondere bei Geschäftsmodellentwicklung und Digitalisierung. In enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen konkretisieren wir „liegengebliebene Ideen“, konzipieren und entwickeln neue Geschäftsmodelle und bewerten und entwickeln mit dem Management Wege zu digitalen Plattformen, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit von saarländischen KMU nachhaltig zu steigern.


Ansprechpartner

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Presse / Redaktion

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Prof. Dr. Markus Münter (Foto: htw saar)