Erfolgreicher Strukturwandel durch neue Allianzen

3. Dezember 2018


Ammar Alkassar ist seit kurzem Bevollmächtigter des Saarlandes für Innovation und Strategie. Zwei wichtige Themen für die Zukunft des Landes vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen für die saarländische Wirtschaft. Wir sprachen mit dem ehemaligen Unternehmer über seine Arbeit, seine ersten Einschätzungen und Empfehlungen für den Mittelstand.

 

Herr Alkassar, was genau ist der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?
Meine erste Aufgabe lautete: Wie muss eine Strategie für das Land aussehen, um langfristig den Strukturwandel zu schaffen? Klar ist: Einige Teile der heutigen Wertschöpfungskette wird es zukünftig nicht mehr geben. Andererseits sehen wir vielfältige, disruptive Innovationen, die völlig neue Wertschöpfungen ermöglichen.
Eine Chance im Wettstreit der Regionen, die Karten neu zu mischen. Für uns und die Frage, wie unsere Lebensverhältnisse in zehn Jahren sein werden, wird entscheidend davon abhängen, ob es unsere Unternehmen schaffen, sich an die Spitze dieses Wandels zu stellen.

 

Eine Ihrer ersten Aktionen war der Besuch einiger IT-Unternehmen und Institutionen in der Region. Wie ist Ihr Eindruck? Ist die IT-Branche im Saarland für die Zukunft so gut gerüstet, wie es heißt?
An kaum einem anderen Standort haben wir eine derart hohe Dichte an exzellenter Informatik-Forschung und Lehre, mit dem Informatik-Campus Saar, zwei Max-Planck Instituten, dem DFKI, dem Zentrum für Bioinformatik und ab nächstem Jahr mit dem Helmholtz-Zentrum. Wir dominieren die Informatik-Forschung. Das strahlt ab und zieht exzellente Köpfe aus der ganzen Welt an.
Was man aber auch sieht: Bei Start-ups und Industrie-Labs haben wir die Vorreiterrolle noch nicht. Und dabei haben wir eine nachhaltig-solide IT-Industrie, die aus früheren Start-up- Phasen im Saarland entstanden sind, wie die Standorte der SAP, Software AG, Orbis, Scheer und andere.

 

Die Digitalisierung ist eine Querschnittstechnologie, die Geschäftsabläufe, interne Organisationen und sogar ganze Geschäftsmodelle „auf den Kopf stellen“ wird. Wie sehen Sie hier die mittelständische Wirtschaft im Saarland aufgestellt?
Genau in dieser Querschnittseigenschaft liegt das große Potenzial der Digitalisierung: Die Werkzeuge, die die digitale Transformation mitbringen, werden viele Branchen umkrempeln und damit die Karten im Wettbewerb neu mischen. Wer schnell ist, das richtige Gespür für Relevanz hat, hat die Chance, bisherige Marktführer abzulösen.
Gerade für die mittelständische Wirtschaft ist das eine echte Chance, durch Agilität den bisher dominierenden, oftmals trägen Unternehmen Marktanteile abzunehmen. Übrigens auch im Handwerk: Ein erfolgreiches Modell einer vollautomatisierten Schreinerei habe ich kürzlich in St. Wendel erlebt.

 

Stichwort Automobilwirtschaft: Was können die Hochschulen, was können die außeruniversitären Institute dazu beitragen, den bevorstehenden automobilen Strukturwandel im Saarland erfolgreich zu bewältigen?
Die saarländische Automobilindustrie, immerhin Platz 3 in Deutschland, befindet sich bereits mitten im Strukturwandel und gehört aufgrund ihrer Relevanz für das Land zu den Schlüsselthemen. Auf der anderen Seite sind wir hier im Saarland der Hotspot für Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit – zwei absolute Innovationstreiber für den modernen automotive Sektor. Jetzt gilt es, beide miteinander derart nachhaltig zu vernetzen, dass die saarländische Automobilindustrie einen echten Wettbewerbsvorteil daraus gewinnen kann.
Ich glaube, dazu gehören auch moderne Software-Labs der Automobilhersteller und Zulieferer im Saarland mit einem regen Austausch von Technologie, Wissen und Köpfen mit dem Forschungsstandort. Wenn wir das schaffen, können wir die modernste Automobilbranche der Welt schaffen.

 

Wie kann saaris bei dieser Transformation unterstützen?
saaris leistet schon heute eine herausragende Arbeit bei Innovationsförderung und Technologietransfer – ein tolles Beispiel für eine „Saarländische Lösung“. Was wir im Saarland allerdings deutlich verbessern müssen, ist eine stärkere Zusammenarbeit der verschiedenen Stakeholder und vor allem einen gesamtheitlichen Ansatz für Technologietransfer, Gründungen, Wachstum und Finanzierung. Ich könnte mir vorstellen, dass saaris hierfür in Zukunft eine größere Rolle spielt.


Ammar Alkassar