Erfindungen aus dem Saarland: Gitarre für Rollstuhlfahrer

23. April 2018


Für Musiker, die aufgrund eines körperlichen Handicaps auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ist Gitarre spielen nur äußerst eingeschränkt, ambitioniertes Spielen nahezu unmöglich. Masse und Form von Rollstuhl und Instrument lassen keine stabile Spielposition zu. Martin Paul, Musiker der saarländischen Rockband „Stony Rolls“, entwickelte deshalb ein Instrument mit einem verlagerten Schwerpunkt und hat damit das Problem gelöst. Das Patent dazu hat er beim Patent- und Markenzentrum (PMZ), angesiedelt bei saaris, eingereicht.

 

Im Normalfall liegt die Gitarre beim Spielen in sitzender Position locker mit ihrer Taille auf einem Oberschenkel. Die beiden Beine sind dabei unterschiedlich stark gebeugt. Das geht nicht, wenn der Gitarrenspieler querschnittsgelähmt ist, so wie der 62-jährige Illinger Martin Paul. Seit 40 Jahren spielt er das Instrument, seit vielen Jahren auch in einer Band. Mit einem Stilwechsel seiner Musikgruppe vor drei Jahren musste er eine Lösung für das oben beschriebene Problem finden, denn bei Rocksongs muss entlang des gesamten Halses gegriffen werden können. „Die Gitarre in einer annähernd brauchbaren Spielposition zu fixieren war für mich nicht einmal unter großen Verrenkungen und krampfhafter Bemühungen möglich“, so der Gitarrist. Die Lösung fand der Schlosser und Arbeitsvorbereiter, indem er den Schwerpunkt so verlagerte, dass weder Spielhand noch Schlagarm bzw. -hand zur korrekten Positionierung der Gitarre herangezogen werden müssen. Konkret bedeutet das: „Während Form und Gestaltung der oberen Hälfte des Korpus in Zweck und Bedeutung unberührt bleiben, ist die Form der unteren Hälfte so gestaltet, dass die Gitarre ohne Hilfsmittel am Körper stabil positioniert werden kann, so dass individuell ambitioniertes Spielen in entspannter Haltung auch über lange Spielzeiten problemlos möglich ist.“

 

Gesucht: Kooperationspartner für maschinelle Herstellung
Mit einer einfachen Holzplatte aus dem Baumarkt machte Martin Paul seine ersten Versuche. Er schnitt und sägte, bis es passte. „In weiteren Schritten entwickelte ich, dem fehlenden professionellen Maschinenpark sowie meinem körperlichen Handicap geschuldet, dann einen E-Gitarren-Korpus aus mehreren Lagen.“ Es handele sich dabei um Arbeiten auf „Zehntelmillimetergenauigkeit“ an einem komplexen Aufbau, damit das Instrument dem gitarren-technischen Standard entspricht. Wichtig sei bei der Planung auch gewesen, dass die Gitarre nicht mit am Rollstuhl unverzichtbaren Bauteilen in Konflikt gerät. Acht Elektrogitarren hat Paul bisher nach seinem Konzept gebaut. Alle in Handarbeit. Sein Ziel ist es, diese auch maschinell herstellen zu können – gemeinsam mit industriellen Partnern aus der Region.

 

Welttag des Geistigen Eigentums – Tag der Offenen Tür im PMZ
Der Welttag des geistigen Eigentums wurde durch die UNESCO angeregt und im Jahr 2000 erstmals ausgerufen, um den Wert und die Bedeutung von Kreativität und geistigem Eigentum transparent zu machen und zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, dies zu schützen. Er findet jedes Jahr am 26. April statt. Verbunden damit ist ein Tag der Offenen Tür im Patent- und Markenzentrum im Gebäude der IHK Saarland. Von 9:00 Uhr bis 15:00 Uhr erfahren die Besucher in Kurzvorträgen, warum sie Schutzrechte nutzen und beachten sollten, wie diese ein Monopolrecht gewähren, wie sie Konkurrenzbeobachtungen ermöglichen, Wettbewerbsvorsprünge sichern, Kenntnisse neuester Entwicklungen vermitteln und Verletzungen von Schutzrechten Dritter verhindern. Zusätzlich sind kostenfreie Recherchen zu einzelnen Schutzrechten möglich. Anmeldung unter patentinfo@saaris.de.


Ansprechpartner

Jörg Schlimmer

Patente / Schutzrechte

Tel.: 0681 9520-462

Fax.: 0681 583150

E-Mail: joerg.schlimmer@saaris.de

Martin Paul kann mit seiner Erfindung jetzt auch im Sitzen entspannt auf der Gitarre spielen (Foto: Martin Paul)

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