Das Saarland zukunftsfest machen: Ministerpräsident Tobias Hans im Gespräch

3. September 2018


Die saaris-Redaktion sprach für die aktuelle Ausgabe von saaris/impuls mit dem Ministerpräsidenten über die Zukunft des Saarlandes, vor allem hinsichtlich Strukturwandel, Wettbewerbsfähigkeit und Gründungsgeschehen.

 

Herr Ministerpräsident, ist das Saarland mit dem neuen Bund-Länder-Finanzausgleich gerettet? Wie setzen wir die entstandenen finanziellen Handlungsspielräume ein?
Mit der Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen ist das Saarland keineswegs „gerettet“, aber auf dem besten Weg. Wir müssen diese neuen Finanzspielräume nun nutzen – einerseits zum Einstieg in die Schuldentilgung, andererseits zu gezielten Zukunftsinvestitionen. Das heißt: Neben dem Abbau der Alt-Schulden werden wir eine „Investitionsoffensive Saar“ starten, bei der wir im nächsten Jahrzehnt insgesamt rund eine Mrd. € in die Bereiche Bildung, Ausbildung und Betreuung, Hochschulen, Verkehrsinfrastruktur sowie in die IT- und in die kommunalen Infrastrukturen einbringen. All das werden Investitionen in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes sein.

 

Sehen Sie die Saarwirtschaft für den immer härteren Wettbewerb gut aufgestellt? Oder müssen wir uns Sorgen machen?
Grundsätzlich sind wir im regionalen, nationalen und internationalen Wettbewerb sehr gut aufgestellt: Es gibt im Saarland starke, international bekannte Marken, wir sind hervorragend im Export, unser Mittelstand ist sehr innovativ und bildet mit tausenden von Arbeitsplätzen das Rückgrat der Saarwirtschaft. Sorgen bereiten uns jedoch der Brexit und die neuen protektionistischen Bestrebungen der US-Handelspolitik – vor allem hinsichtlich unserer Stahl- und Automobilbranche, die beide aufgrund ihrer hohen technischen Standards in fair organisierten Märkten absolut konkurrenzfähig sind.

 

Wie geht es weiter mit unserer Automobilindustrie, was kann die Landesregierung tun, um den Strukturwandel in der Automobilwirtschaft zu begleiten?
Klar ist: Unsere Automobilindustrie steht angesichts neuer Trends wie E-Mobilität, autonomes Fahren und vernetzter Verkehrssysteme vor einem grundlegenden Wandel. Für uns kommt es nun darauf an, dass wir uns an die Spitze dieses Wandels stellen. Hierzu werden wir als Landesregierung in zwei Richtungen agieren. Zum einen werden wir auf der Grundlage unserer Automotive-Zukunftsstudie eine detaillierte Handlungsstrategie für diesen Wandel erarbeiten; das bei saaris angesiedelte Kompetenzzentrum „automotive.saarland“, das die Studie initiiert und begleitet hat, wird dabei besonders gefordert sein. Zum andern werden wir unsere Kontakte zu den Konzernzentralen intensivieren, um deren Standortentscheidungen möglichst positiv für das Saarland zu beeinflussen; das wird „Chefsache“ sein. Für mich ist klar: Das Saarland muss zu den ersten Adressen gehören, wenn es um Investitionen in neue innovative Technologien geht.

 

Gründungen sind Ihnen besonders wichtig. Was können wir tun, um das Saarland zu einem Hotspot für junge Gründerinnen und Gründer zu machen?
Für mich ist es unzweifelhaft, dass wir das Gründungsgeschehen vor allem mit Blick auf un¬sere Forschungslandschaft vitalisieren müssen. Es ist uns bisher nicht ausreichend gelungen, aus Forschungswissen und wissenschaftlicher Exzellenz unternehmerische Erfolge auf der Basis neuer Produkte und innovativer Dienstleistungen zu erzielen. Hier hatten wir in der Vergangenheit zwar Erfolgsgeschichten wie IDS-Scheer, Key-Systems GmbH, Vensys Energy AG oder Sirrix AG; das ist aber insgesamt zu wenig, wenn es darum geht, die Stärken unserer Forschung in nachhaltige Wertschöpfung umzusetzen. In Zukunft müssen wir unsere Gründungsförderung weiterentwickeln und neue Instrumente einsetzen. Dazu gehören Co-Working-Spaces, neue Finanzierungs- und Beteiligungsinstrumente sowie intelligente Coaching-Formate für die jungen Gründer.

 

Was erwarten Sie von saaris, wenn es um Strukturwandel und Wettbewerbsfähigkeit der Saarwirtschaft geht?
saaris ist für mich die zentrale „Kümmerer-Einrichtung“ des Landes, wenn es um die Unterstützung der ansässigen Wirtschaft geht. Unser Mittelstand steht vor tiefgreifenden Veränderungen; Beispiele hierfür sind der 3D-Druck, der immer stärker werdende Online-Handel oder auch die Digitalisierung industrieller Prozesse. Das alles hat gravierende Folgen für die Saarwirtschaft: Der technologische Innovationsdruck nimmt zu, gleichermaßen der internationale Wettbewerbsdruck; aber auch die konsumtive Nachfrage kommt aufgrund der Demografie ebenso unter Druck wie das Angebot an qualifizierten Fachkräften. saaris verfügt hier mit seinem Portfolio über eine ganze Reihe von Beratungs- und Unterstützungsangeboten, die gerade dem Mittelstand helfen, diese Anpassungsprozesse zu bewältigen. Kurzum: Wenn es saaris als Einrichtung der Wirtschaftsförderung noch nicht gäbe, dann müsste man sie jetzt erfinden!


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Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlandes