BIM: In der Baubranche immer mehr ein MUSS. Praxisprojekte zeigen Relevanz des Themas und Lösungen

Das Thema BIM ist in der saarländischen Baubranche endgültig angekommen. Befragungen von Unternehmen zeigen, die Startphase läuft mit hohem Tempo. Ein Online Seminar von bim.saarland, angesiedelt bei saaris, gab einen tiefen Einblick in saarländische Praxisschritte mit BIM. Erste Projekte mit öffentlichen Institutionen gibt es auch im Saarland. Eines davon hat sich vorgestellt. Das Ergebnis: Startschwierigkeiten sind überwunden, man bleibt am wichtigen Zukunftsthema dran. Das Projektergebnis soll bald in der Praxis mit Unternehmen eingesetzt werden.

 

14. Oktober 2020


Jetzt ist der richtige und entscheidende Zeitpunkt, aufzuspringen.

50% der deutschen Baubetriebe haben bereits erste Erfahrungen mit der digitalisierten, objektbezogenen und in Zukunft von Auftraggebern geforderten Methode „BIM“ (Building Information Modelling). Nach einer Umfrage plant 80% der Baubranche BIM zu nutzen, aber erst 18% der Unternehmen haben eine Digitalisierungsstrategie. Für die Wirtschaftsförderung und die Beraterbranche ein gutes Stück Arbeit, die Betriebe auf ihrem Weg, weg von der Dokumenten- und Ordner lastigen Arbeit, hin zur zukünftig objektbezogenen und möglichst digitalen Arbeitsmethode zu wechseln.

Stadtwerke Saarbrücken: BIM wird weiterverfolgt werden

Die Stadtwerke Saarbrücken starteten bereits 2015 mit BIM. Grund dafür waren unter anderem die sehr aufwändigen Arbeitsprozesse mit den Vertragspartnern, die von dem Stadtwerkekonzern mit seinen zahlreichen Gebäuden viele größere und viele kleinere Aufträge erhalten: „2016 starteten wir mit Prof. Peter Böttcher von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (htw) und der Softwarefirma EUROKEY ein Pilotprojekt. Ziel war es, zu analysieren, inwieweit die Digitalisierung mit BIM Vorteile bringen würde“, so der Projektverantwortliche bei den Stadtwerken Daniel Bürtel. In einem ersten Schritt seien jetzt alle Gebäude digital erfasst. In Kürze werde ein Probelauf mit Handwerkern und einer speziell programmierten Webapplikation stattfinden. Langfristig werde das Thema BIM auf jeden Fall weiterverfolgt werden.

Objektorientiertes Arbeiten: Alle Beteiligten arbeiten gleichzeitig am selben, digitalen Projekt


Einer der Referenten des saaris-Online Seminars, an dem 40 Teilnehmer mitmachten, war Prof. Peter Böttcher von der htw, der die Themen Baubetrieb und Baumanagement an der Hochschule lehrt. Er stellte die neue, objektorientierte Arbeitsmethode vor, die mit digitalen Werkzeugen in virtuellen Räumen stattfindet. „Seit drei Jahren arbeiten unsere Studenten intensiv mit der BIM-Methode. Es ist ein produktiveres und schnelleres Arbeiten als in der Vergangenheit. Arbeiten und Darstellen sind dabei im 2D- und 3D-Bereich möglich. Die Studenten sind sehr schnell und machen große Fortschritte “, so der Professor. Wie funktioniert der objektorientierte Ansatz? Entscheidend ist es, die Objekte den Achsen und Ebenen des Bauwerks objektorientiert richtig zuzuordnen. Dann ist das Modell für die weitere Arbeit gerüstet. Natürlich geht das nicht immer auf Anhieb. Deshalb muss man es üben. Unterschiedliche Fachmodelle können zu einem Gesamtmodell überlagert werden. Auch hier gilt: Trainieren! In der Praxis bedeutet das, dass jeder am Projekt Beteiligte seinen Teil im Projekt bearbeiten kann. Später werden dann alle zusammengeführt.

Datenbank hinterlegt genaue Informationen und Eigenschaften eines Objektes

„Um bei den Stadtwerken mit BIM-Vorlagen arbeiten zu können, mussten in einem ersten Schritt die Bestandsgebäude digitalisiert werden. Für die hohen Außenfassaden bot sich ein Laserscanner an, der das Gebäude abscannte und dabei eine Punktewolke zur Verfügung stellte. Diese Punktewolke wurde dann in ein BIM-Modell überführt.“, erzählt Böttcher. Technisch interessant seien auch Aufnahmen mit Drohnen. Wichtig ist herauszuarbeiten, welche Technik am besten geeignet ist. Die Daten, die dadurch entstehen, werden in einer Gebäudedatenbank verwaltet, in der bereits die Achsen und Ebenen gespeichert sind. In der Datenbank müssen die Daten dann so sortiert werden, dass der Unternehmer bzw. Gewerker damit arbeiten kann. Er findet dort Informationen zum jeweiligen Bauteil und zusätzliche Eigenschaften zu einzelnen Bauteilen. Wird beispielsweise eine Heizung eingebaut, kann genau hinterlegt werden, wann der Einbau von wem erfolgte, welche Heizung eingebaut wurde und wann gewartet werden muss.

Alle Arbeiten werden mit einem Modell gemacht

Ludwig Kuhn und Julian Heinen von der Saarbrücker EUROKEY Software GmbH beschrieben und zeigten danach LIVE die theoretische und praktische Arbeit im Frontend mit der BIM-Methode. Wie wird eine Angebotsanfrage aus dem System online verarbeitet und verschickt? Was muss dann der Handwerker machen? Wie füllt er das Angebot einfach aus und schickt sein Angebot zurück an die Stadtwerke? Wie erstellen die Stadtwerke den Angebotsspiegel und wie wird der Auftrag vergeben? Dazu transferierte und implementierte EUROKEY Software GmbH das von der htw konstruierte digitale Modell auf einen Datenserver. Neben dem Modell nutzen sie für die Eigenschaften die eigens entwickelte Web-Applikation „vitruv“: Im Prinzip arbeiten das Gebäudemodell und die vitruv Datenbank zusammen, um digitale Gebäudemodelle, durchzuführende Arbeitsschritte, Wartungsintervalle und vieles mehr abzubilden. So können aus dem Datenmodell beispielsweise einzelne Objekte (Wand, Tür, Fußboden, Lichtschalter …) extrahiert und deren Eigenschaften angeschaut werden. „In der Praxis werden alle Arbeitsgänge, die mit der Planung, dem Bau und der Wartung (Betrieb) eines Gebäudes zu tun haben, virtuell mit einem Modell entwickelt und optimiert“. Dazu gehören auch, wie in diesem Projekt gewollt, Angebotsanfragen oder die entsprechenden Beauftragungen. Das spare viel Zeit in der Abstimmung, so Kuhn. Und auch neue bildgebende Verfahren sind integriert. Mittels Augmented Reality oder auch Virtual Reality können Gebäudemodelle und Eigenschaften zum Beispiel auf der Microsoft Hololens oder der Occulus Rift dargestellt werden, wodurch greifbare Interaktionen mit den Objekten möglich sind.

bim.saarland unterstützt Unternehmen mit Informationsveranstaltungen, Einstiegsberatungen und Workshops mit Praxis- und Umsetzungsprojekten


Zum Ende des Online Seminars resümierte Dr.- Ing. Thomas Siemer, Leiter des Netzwerks bim.saarland und digitales Bauen: Die Referenten, Unternehmer und Ausbilder haben für uns ihr Wissen und ihre Erfahrung geteilt. Das ist ein Meilenstein in Richtung des Arbeitens mit der BIM-Methode. Wenn es in der Vergangenheit vielleicht richtig war, die Entwicklung abzuwarten, so ist das heute nicht mehr so. Die technische Entwicklung ist bereits weit fortgeschritten. Jetzt müssen (Pilot-)Projekte entstehen, damit das Wissen angewendet und geübt werden kann. Dann folgt Schritt für Schritt die Implementierung von BIM in die Unternehmen.

saaris arbeitet intensiv am Thema und unterstützt die saarländischen KMU mit Einstiegsberatungen, Checks, Informationsveranstaltungen und praktischen Workshops und Fachtagungen. Beim herausfordernden Zukunftsthema der Digitalisierung ein Muss, aber auch Angebot und Chance für alle interessierten Unternehmen in der Baubranche. Die nächsten Veranstaltungen von bim.saarland finden ebenfalls als Online Seminar am 10. November und 10. Dezember statt. Es geht um ein weiteres Praxisprojekt mit Gebäudebewirtschaftung und Handwerkeranfragen (10.11.) und um die Software ALLPLAN (10.12). Einladungen und weitere Informationen mit Anmeldeformular werden in Kürze verschickt.

 

Link zum Newsbeitrag unseres Partners EUROKEY Software GmbH: https://www.eurokey.de/index.php?id=49&tx_ttnews%5BbackPid%5D=6&tx_ttnews%5Btt_news%5D=122&cHash=a6fe4ddda6985bd32ac198d8049b1ccf


Ansprechpartner

Dr.-Ing. Thomas Siemer

Building Information Modeling

Tel.: 0681 9520-459

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: thomas.siemer@saaris.de 

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