BIM: In der Baubranche immer mehr ein MUSS. Praxisprojekte zeigen Relevanz des Themas und Lösungen

Bei der 6. Online-BIM-Fachtagung, organisiert vom Netzwerk bim.saarland, gab es von den vortragenden Spezialisten eine klare Botschaft an die 53 Teilnehmer: „Die Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette müssen sich digital(er) aufstellen“. Knapp 1000 bauausführende Unternehmen und Handwerksbetriebe, ca. 15.000 Arbeitskräfte und eine Milliarde Euro Umsatz allein im Saarland machen deutlich, wie wichtig es für die Bauwirtschaft ist, mit der Verzahnung von Bau und Informationstechnik zu starten.

 

20. November 2020


Die Ist-Situation in Deutschland zeige, dass das Thema Digitalisierung und BIM angekommen ist, weiß Dr. Thomas Siemer, Leiter des bei saaris angesiedelten Netzwerkes bim.saarland. Laut Umfragen haben 50% der Unternehmen bereits Erfahrung mit der neuen Arbeitsmethode, 79% möchten BIM nutzen, aber nur 18% haben eine Digitalisierungsstrategie. „Höchste Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was will ich wann tun und wieviel bin ich bereit, dafür zu investieren“, so Siemer.

Die Welle rollt: Architektur- und Fachplanungsbüros sowie Gebäudeausrüster arbeiten mit 3D-Modellen, Ausbildung und Studium sind im digitalen Wandel


Das Gebäudemanagement in der Universität des Saarlandes wird gerade auf digitales Arbeiten umgestellt. Die Vorteile von BIM sind erkannt und zukünftig sollen BIM-Modelle eingesetzt werden, um die vielen Arbeitsvorgänge bei Angebotsanfragen, deren Bearbeitung, die Beauftragung, die Ausführung und die Abrechnung zu unterstützen. Während der 6.BIM-Fachtagung wurden beim Praxis- und Umsetzungsprojekt „Digitales Gebäudemanagement durch BIM in der Universität des Saarlandes" Auftraggeber und Auftragnehmer mit ihrer täglichen Arbeit und dem täglichen Umgang mit immer mehr digitalen Anwendungen beim Bauen vorgestellt.

Architekt Dominikus Tiator betreut etwa 240 universitäre Gebäude in Saarbrücken, Homburg und Dudweiler: „Wir bewegen uns hin zum Building Information Modeling (BIM). Müssen wir auch, denn mittlerweile arbeiten die Fachplanungsbüros und die technischen Gebäudeausrüster zunehmend digital in 3D. Die Ausbildungen verändern sich, 3D-Modellierungen sind bei Studierenden üblich. Die Welle rollt“. Derzeit läuft im Gebäudemanagement der Universität noch vieles parallel, analog und digital. E-Rechnungen seien in Vorbereitung, e-Vergaben gehörten schon zur Normalität. Eile ist geboten. Das digitale Rechnungsformat XRechnung kommt in wenigen Tagen und wird sich schnell etablieren. Es werden Datenbanken aufgebaut, in denen Daten erfasst werden, die zielgruppengerecht und direkt vor Ort erstellt und abgerufen werden können. „Aktives Datenmanagement ist keine Aufgabe für nebenbei. Die Vorteile des Zusatzaufwandes überwiegen aber: Transparenz, Reproduzierbarkeit und eine wachsende Verfügbarkeit nicht nur über die Bau- sondern auch über die Betriebszeit überzeugen“. Infrastrukturprojekte im Tiefbau sind schon jetzt verpflichtend in BIM zu planen. Voraussetzungen im Betrieb seien die Akzeptanz der Vorgesetzten und der Geschäftsführung, eine Investitionsbereitschaft in Hard- und Software sowie die Bereitschaft der Mitarbeiter zur Weiterbildung. 

In vielen kleinen Schritten von der 2D-Zeichnung zur Digitalisierung und zum BIM-Modell

Janek Pfeufer, Architekt und geschäftsführender Gesellschafter der janek pfeufer architektur gmbh, Saarbrücken, hat mit der Universität bereits Projekte abgeschlossen und ist als Auftragsnehmer „mittendrin“ im BIM-Prozess. In der Praxis nutzt er ausschließlich 3D modellierte Gebäudemodelle in unterschiedlichen Ausführungsqualitäten. Mit unterschiedlich hinterlegten Informationen, je nach Gewerk bzw. Planungsbüro. Die unterschiedlichen Bauteile werden dabei als IFC-Datei an die Planer weitergegeben, unterlegt mit allen Informationen, die diese für ihre Arbeit benötigen. „Der Datenaustausch mit den externen Partnern funktioniert. Intern gibt es eine Schnittstelle zum AVA-System“. So gelangen die Daten aus den Plänen beispielsweise auch in die Ausschreibungssoftware. Änderungen könnten jederzeit aktualisiert werden. „Wir sind noch lange nicht am Ziel, experimentieren viel, aber wir entwickeln uns von Tag zu Tag durch die regelmäßige Anwendung weiter. Gemeinsam mit der Software, die immer neuere Möglichkeiten bietet. Die Akzeptanz bei den Mitarbeitern steigt dadurch und wir werden immer besser. Ganz bewusst höre ich meinen Mitarbeiter*innen zu, wenn es um deren Ideen und Anmerkungen zu neuen digitalen Entwicklungen geht. Die arbeiten damit täglich und wissen, wo es gut klappt und wo verbessert werden kann.“

Einstieg für Handwerker und kleine Bauunternehmen ist auch mit wenig Aufwand möglich

„Wenn die Unternehmen sich mit der Sache beschäftigen!“ Rainer Buch ist BIM-Berater im Unternehmen von Janek Pfeufer. Er zeigte auf, wie Handwerker und kleine Bauunternehmen BIM mit wenig Aufwand nutzen können. Benötigt werde natürlich eine EDV-Ausstattung und Hardware. Aber die muss zum jeweiligen Unternehmen passen. „Ich habe selbst einige Programme ausprobiert und mich für das entschieden, was wir hier tatsächlich anwenden und gebrauchen. Ich arbeite täglich mit einigen kleinen Aufmaßprogrammen wie beispielsweise Kostenkalkül und Grava. Außerdem nutze ich abgespeckte Versionen von AVA- und CAD-Programmen“. „Die Unternehmen bearbeiten nur die Daten und Zeichnungen, die sie auch wirklich benötigen. Die Programme ergänzen sich, arbeiten zusammen“, so der erfahrene Praktiker. Mit einer Investition von ca. 2500 Euro (inkl. der Officeprogramme) könne ein kleiner Bauunternehmer oder Handwerker problemlos einsteigen.

saaris unterstützt saarländische KMU kostenfrei

Dr. Thomas Siemer machte zum Schluss nochmals Mut: „Wichtig zu wissen: Es gibt große und kleine Lösungen. Jeder muss die richtige für sich suchen und sich dabei auch helfen lassen“. saaris arbeitet intensiv am Thema und unterstützt die saarländischen KMU mit Einstiegsberatungen, Checks, Informationsveranstaltungen und praktischen Workshops und Fachtagungen. Beim herausfordernden Zukunftsthema der Digitalisierung ein Muss, aber auch Angebot und Chance für alle interessierten Unternehmen in der Baubranche. Die nächste Veranstaltung von bim.saarland findet ebenfalls als Online Seminar am 10. Dezember statt. Es geht dabei um die Software ALLPLAN und es wird LIVE gezeigt, wie diese Software im Bauprojekt sinnvoll genutzt werden kann. Weitere Informationen mit Anmeldeformular (www.saaris.de/termine/veranstaltungen)  werden in Kürze verschickt.


Ansprechpartner

Dr.-Ing. Thomas Siemer

Building Information Modeling

Tel.: 0681 9520-459

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: thomas.siemer@saaris.de 

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