Best-Practice: CeraNovis kooperiert eng mit der Raumfahrtindustrie

22. Januar 2018


Mit und für die ESA zu arbeiten ist für viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ein Traum. Dass sich dieser auch realisieren lässt, zeigen erfolgreiche Kooperationen der bemannten Raumfahrt mit KMU, wie zum Beispiel mit dem Saarbrücker Technologiebetrieb für keramische Schutz-und Antihaftbeschichtungen in thermisch belasteten Anwendungen, CeraNovis.

 

ESA und die Branchen-Großindustrie suchen KMU zur Lösung ihrer technologischen Herausforderungen in der Raumfahrt. Sie benötigen hoch spezialisiertes Know-how, das sie meist in kleinen High-Tech-Firmen finden. Dabei gehen die Forscher am Anfang so vor, wie es jeder Laie auch tun würde. Sie googlen: „Beschichtung, kalt bei hohen Temperaturen, weiß, stabil unter harter ultravioletter Strahlung“, könnten die Keywörter in etwa gelautet haben, als ein leitender Projektingenieur von Airbus auf die kleine CeraNovis GmbH stieß, die die Lösung seines Problems parat haben könnte. Ziel war es, eine Beschichtung zu finden, die die sehr heißen Bauteile eines komplexen Satellitensystems im Weltraum kühl hält.

 

Dr. Frank Meyer, Geschäftsführer von CeraNovis erinnert sich noch gut an die Anfänge der Kooperation. „Normalerweise arbeiten wir hauptsächlich für Gießereien und Hersteller von Wärmetauschern. Aber auch bei dem neuen Anwendungsfeld Raumfahrt gelangen erste Proben sehr gut, so dass wir in die Kooperation mit ESA, Airbus und Thales ein bisschen reingerutscht sind und den aufwändigen Weg zur Vertragsbasis umgehen konnten.“ Die ESA-Tools, die heute wesentlich einfacher zu bedienen sind, werden von CeraNovis mittlerweile aber auch zur Abwicklung der Verträge genutzt. „ESA und Großindustrie sind es heute gewöhnt, mit KMU zusammen zu arbeiten. Man arbeitet auf Augenhöhe, ist ein gemeinsames Team, die Kooperation wird sehr ernst genommen“, so Meyer. In einem nächsten Schritt möchte er sich auf einen thematisch passenden, gerade veröffentlichten ITT-Call bewerben und ist zuversichtlich, in den nächsten Jahren weiter mit den Großen der Branche zu arbeiten. Trotz des Erfolges ist die Raumfahrt nur eines der Standbeine des ursprünglich aus dem Saarbrücker Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM) entstandenen Spin-off-Unternehmens mit heute 14 Mitarbeitern.

 

Die Herausforderungen der letzten Jahre? „Ein unbedingtes Muss war die Qualitätskontrolle. Für Evaluationen haben wir umfangreiche Dokumentationen erstellt und Standards entwickelt. So aufwändig das zu Anfang war, so sehr profitieren wir jetzt davon. Das System, das wir bei dieser Gelegenheit in all unseren Geschäftsbereichen etablierten, sorgt für eine gleichbleibend hohe Arbeits-und Produktqualität, die uns heute vieles erleichtert und vieles erst möglich macht“, sagt Dr. Meyer. Unterstützt wurde CeraNovis auch von saaris und der Wirtschaftsförderung des Regionalverbands Saarbrücken, die beide saarländische KMU auf dem Weg zur Zusammenarbeit mit der Raumfahrtindustrie, u. a. mit Beratungen und Workshops, aktiv begleiten. „Persönliche Beratungen und Veranstaltungen wie z. B. beim Branchennetzwerk „produktionstechnik. saarland“ sowie Messebeteiligungen auf dem Saarlandstand können im richtigen Moment immer wieder wichtige Impulse geben,“ so Dr. Meyer.

 

Derzeit sucht das erfolgreiche und für Arbeitnehmer attraktive Unternehmen Fachpersonal. Erfahrene Vertriebsmitarbeiter aus der Gießereibranche sowie Azubis zum Chemielaboranten sind gefragt. Schwierig sei es gute, junge Mitarbeiter ins Saarland zu bekommen. „Unsere Kommunikationssprache ist Englisch. Wir benötigen also sehr gute Sprachkenntnisse.“ Um die entsprechenden Fachkräfte zu finden, investiert CeraNovis beim Nachwuchs kräftig in Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen.

 

 


Ansprechpartner

Jürgen Luckas

produktionstechnik.saarland

Tel.: 0681 9520-493

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: juergen.luckas@saaris.de 

Die oben rechts im Bild befindliche kreisrunde sog. HGA-Antenne, die der Kommunikation des Satelliten mit dem Kontrollzentrum auf der Erde dient, wurde von der CeraNovis GmbH beschichtet. (Foto: ESA)

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