Baukongress Digitales Bauen: Die Zukunft nimmt Fahrt auf

Das Thema Zukunft des Bauens brennt vielen Unternehmen der Baubranche unter den Nägeln. Das zeigte der erste hybride Baukongress, organisiert von bim.saarland, angesiedelt bei saaris, mit über 200 Teilnehmern.

 

30. November 2021


Ministerpräsident Tobias Hans thematisierte Herausforderungen der Branche wie Wohnungsbau, Klimafreundlichkeit, steigende Nachfrage, aber auch Lieferengpässe und höhere Preise. Mit massivem Bürokratiebau soll das Saarland schneller und digitaler werden. Ein Weg, die Vorreiterrolle des Landes auszubauen und die Chancen im internationalen Wettbewerb zu verbessern. Dafür sieht er eine standardisierte Onlineplattform für Bauanträge, flankiert mit einer neuen Landesbauordnung. Der Moderator der Veranstaltung Dr. Thomas Siemer, der bim.saarland seit fünf Jahren aufbaut und jetzt für das Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk, Schaufenster Krefeld arbeitet, ist überzeugt: „Jetzt müssen sich die Bauunternehmen entscheiden, mit welchem Thema sie sich befassen möchten und damit anzufangen“.
 

Daten auf die Reise schicken

"Das Bauwesen bietet noch viel Raum hin zu größerer Produktivität und mehr Nachhaltigkei", so Prof. Matthias Michel von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Diese Potenziale sieht er unter anderem in der Digitalisierung der Planung, der Bauproduktion und des Bauwerks selbst. Durch die Vernetzung intelligenter Bauwerkskomponenten entstehen so beispielweise adaptive Fassaden, die an jeder Stelle selbständig auf die Wünsche der Nutzer reagieren können. Die digitale Produktion entlastet das Handwerk dort, wo Fachkräfte rar sind. Sie bietet sich besonders für das nachhaltigen Bauen mit Holzprodukten an. „Für mittelständische Betriebe, die stark auf handwerkliche Arbeit setzen, kann der flankierende Einsatz von digitaler Produktion wie CNC-Technik oder Robotik besonders  förderlich sein.“  In Forschungsprojekten zeigt Prof. Michel, wie aus Bauabfällen dank digitaler Produktion neue Tiny Houses entstehen.  Von einer CNC Maschine in Streifen geschnitten, werden Holzreste wieder zu neuen Bauwerken zusammengesetzt. „Warum nicht Daten statt Produkte auf die Reise schicken? Die digitale Produktion gibt uns die Möglichkeit, auch komplexe Bauelemente an entlegenen Orten oder gleich auf der Baustelle herzustellen. Man braucht dann nur die Daten, die es zur Herstellung braucht, zu versenden, nicht das Produkt selbst.“
 
3D Druck: Zukünftig eine Möglichkeit schneller, nachhaltiger, fehlerreduzierter und damit auch kostengünstiger zu bauen

 
Auf der Baustelle oder in der Werkshalle können 3D-Drucker ganze Häuser oder Hausteile drucken. Dr. Fabian Meyer-Brötz von der PERI AG erzählt von zahlreichen Erfahrungen mit diesem neuen Hausbau-Werkzeug. Ob das neue Verfahren eine Zukunft hat? Und wie! PERI sieht im 3D Druck eine Möglichkeit schneller, nachhaltiger, fehlerreduzierter und damit auch kostengünstiger zu bauen. Das zukunftsorientierte Unternehmen hat in den letzten Jahren viel experimentiert, bei der Ästhetik die Technologie bis aufs Äußerste ausgereizt, an nachhaltigen Materialien geforscht und bei den zahlreichen Herausforderungen auch viel gelernt: „3D-Druck und manuelles Handwerk können in idealer Weise zusammenarbeiten, Innenausstattung kann zum Teil auch mitgedruckt werden, Material und Gebäude sind während der Bauzeit und danach sowohl sehr hitze- als auch kältebeständig, die Druckzeit wird mit jedem Gebäude weniger“. Noch sind die Kosten etwa 15-20% höher, aber auch das werde zukünftig sicher weniger werden.

Vorreiterschaft als Vorteil bei der Rekrutierung von neuen Aufträgen und beim Nachwuchs

Dirk Steil, Geschäftsführer von Becker Reinraumtechnik aus Saarbrücken plant und baut schlüsselfertige Reinräume und bietet darüber hinaus auch Dienstleistungen über die gesamte Nutzungsdauer der Anlagen an wie z.B. Wartung, Service sowie Umbauten.  Er sieht seine Vorreiterschaft als Vorteil bei der Rekrutierung von neuen Aufträgen und auch bei der Gewinnung neuer Mitarbeitenden. Mit AR-Brillen macht er es seinen Auftraggebern möglich, schnell und einfach zusätzliche Informationen zu generieren oder sich bereits virtuell in den neuen Reinäumlichkeiten zu bewegen. So könnten Fehler vorab erkannt werden und gar nicht erst entstehen, was wiederum Kosten reduziere. Für Dirk Steil hat die Zukunft längst begonnen. Mit den zahlreichen Daten, die er über die Datengrundlage des Building-Information-Modeling (BIM) erhält, findet er mit seinen Partnern immer neue Möglichkeiten, diese sinnvoll und als Mehrwert für den Kunden einzusetzen. „Herausfordernd sind sicher die Kosten, die anfangs entstehen. Häufig sind auch die Daten der Hersteller noch nicht verfügbar, Mitarbeitende müssen qualifiziert werden und viele Gewerke arbeiten noch nicht mit BIM“. Mit seinen Partnern aus den saaris-Netzwerken und dem Netzwerk Cleanroom-Net ist Dirk Steil in ständigem Austausch. Gemeinsam entwickeln sie sich weiter, machen sich zukunftsfest und attraktiv für Auftraggeber und Fachkräfte.
 
Mit saaris auf dem Weg zur Digitalisierung

 
saaris unterstützt kleine und mittlere Unternehmen auf ihrem Weg in die digitale Welt. Netzwerke entlang der gesamten Wertschöpfungskette sorgen für Austausch und neue Kooperationen, Experten aus der Wissenschaft präsentieren neueste Forschungsergebnisse und Problemlösungen. Für die Teilnehmer des Baukongresses ein echter Mehrwert: „Digitales Bauen verändert unsere Arbeitswelt und zeigt uns unsere Zukunft auf“, so der Mitarbeiter eines Schalungsunternehmen. Und auch die SVOLT Energy Technology, die ein großes Produktionswerk in Überherrn plant, war am „State of the Art“ interessiert.


Ansprechpartner


Dr. Anita Lorenzen

Innovations- und Technologietransfer

Tel.: 0681 9520-451

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: anita.lorenzen@saaris.de

 

 

 

 

 

Erfolgreicher erster hybrider Baukongress

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Moderator Dr. Thomas Siemer, links, im Gespräch mit den Referenten

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