Auswirkungen des Krankenhausstrukturgesetzes im Saarland

9. Mai 2016


„Mit dem neuen Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) werden wir die Finanzierung der Krankenhäuser deutlich verbessern. Qualität wird mit Zu- und Abschlägen als Kriterium bei Planung und Vergütung eingeführt“, so Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit, wenn er von der Zukunft der Krankenhausversorgung spricht. In einer gemeinsamen Veranstaltung in der IHK Saarland luden healthcare.saarland und die Gesundheitsregion Saar e. V. am 3. Mai 2016 zu einem hochrangig besetzten Strategiegespräch mit Staatssekretär Stephan Kolling und Entscheidungsträgern aus dem Gesundheitssystem ein. Der Einladung sind fast 100 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefolgt. Im 4. Quartal dieses Jahres werden übrigens beide Partner, healthcare.saarland und die Gesundheitsregion, mit der Umsetzung des Präventionsgesetzes zu einem weiteren hochrangigen Thema einladen.

 

Bringt das neue Krankenheitsstrukturgesetz den ersehnten Durchbruch im Gesundheitswesen? Experten diskutierten in einer gemeinsamen Veranstaltung von healthcare.saarland und der Gesundheitsregion zu den Möglichkeiten und den Auswirkungen des neuen Gesetzes. Krankenhäuser und Krankenhausträger befinden sich in schwierigen Zeiten. Steigende Kosten und gleichzeitig seit Jahren sinkende Investitionen sorgen für einen Teufelskreis. Hilft das neue Krankenhausstrukturgesetz?

 

Der Patient im Mittelpunkt
Die Reaktionen auf das am 01.01.2016 in Kraft getretene KHSG sind vielschichtig. Sie reichen von „Qualitätsorientierung zielt auf die Schließung von Krankenhäusern“ (KKVD katholischer Krankenhausverband) bis zu „Strukturbereinigung ist gut für die Patienten, die Mitarbeiter der Kliniken und die Beitragszahler“ (GKV Spitzenverband). Einig waren sich in einem alle: Die Erwartungen der Patienten stehen im Mittelpunkt und müssen erfüllt werden. Fragt man Patienten, legen diese besonderen Wert auf sehr gut ausgebildete Ärzte, Hygiene, freundliches Personal, Qualität und die Nähe zum Wohnort.

 

Neue innovative Ansätze und Weiterentwicklung von MVZ
Wie sieht es momentan aus in den saarländischen Kliniken? Zwischen den 22 Kliniken, die es im Saarland gibt, bestehen zahlreiche Kooperationen. In seinem Vortrag forderte Staatssekretär Kolling neue innovative Ansätze und die Weiterentwicklung der Medizinischen Versorgungszentren, die auch den Kommunen Möglichkeiten geben, sich aktiv an der Zukunft der Gesundheitsversorgung ihrer Städte und Gemeinden zu beteiligen.

 

Schwerpunkt Qualität
„Die Qualität der Krankenhausversorgung wird künftig eine noch größere Rolle spielen und muss strenger kontrolliert und verbessert werden“, so Kolling. Bei dem zum 1. Januar 2016 in Kraft getretenen Krankenhausstrukturgesetzes ziehe sich der Qualitätsaspekt wie ein roter Faden durch das Gesetz. Die Länder, so auch das Saarland, werden zusätzlich zu den bereits existierenden Qualitätsgesichts-punkten weitere Qualitätsvorgaben in die Krankenhausplanung aufnehmen, sagte der Staatssekretär. Dies bedeute, dass in der Planungsphase die Qualität des Krankenhauses zu einem bedeutenden Auswahlkriterium für die Aufnahme in den Krankenhausplan werde. Mit der Aufnahme in den Krankenhausplan haben Krankenhäuser auch Anspruch auf die staatliche Förderung ihrer Investitionsmaßnahmen. Kolling betonte in seiner Rede, wie wichtig es sei, künftig die trägerübergreifende Zusammenarbeit noch mehr zu unterstützen und die Krankenhauslandschaft qualitätsorientiert auszurichten. Für Verbesserungen von Strukturen in der Krankenhausversorgung stünden dem Saarland aus dem Strukturfonds rund 6 Millionen Euro zur Verfügung. Die saarländische Landesregierung werde Mittel in gleicher Höhe zur Verfügung stellen, so dass rund 12 Millionen Euro zur Verbesserung der Strukturen in der Krankenhausversorgung, zusätzlich zu der Investitionsförderung durch das Land, bereitgestellt werden können. Bei der Krankenhausvergütung werde ebenfalls an Qualitätsaspekte angeknüpft. So würden Qualitätszu- und abschläge für Leistungen eingeführt. Der Gemeinsame Bundesausschuss soll bis zum 31.12.2017 einen Katalog von Leistungen festlegen, die sich für eine qualitätsabhängige Vergütung eignen. In seiner Zusammenfassung sprach der Gesundheitsstaatssekretär über viele Gesetze, die sich in der Vorbereitung befinden, um Veränderungen auf den Weg zu setzen und wichtige Impulse zu setzen.

 

Ist Qualität messbar?
Dr. Roßbach von der Beratungsgesellschaft activa beleuchtete das Thema Qualität ebenfalls. Ist Qualität messbar? Diese Frage sieht er als die größte Herausforderung.  Das Fazit der Experten: Wenn Struktur- und Prozessqualität durch bestehende Instrumente heute bereits messbar sind und stimme, werde auch die Ergebnisqualität, auf die es letztendlich ankomme, gegeben sein.

 

Best-Practise-Beispiele in Nordeuropa und Niederlande
Kai Ullrich von der Unternehmensberatung Ernst & Young healthcare spricht ebenfalls von einem Paradigmenwechsel und dem Gesundheitswesen 4.0, das Auswirkungen bis in die einzelnen Krankenhäuser habe. „Die Kliniken müssen sich neu erfinden, denn die Patienten erwarten innovative und für sie einfache Lösungen, mit dem Krankenhaus als Partner, um ihre Gesundheit zu managen“. Für viele Krankenhäuser in Deutschland bringe dies bei knappen Finanzspielräumen zusätzlich einen hohen Innovationsdruck mit sich. Gute Beispiele zukunftsorientierter Häuser finde man bereits in Nordeuropa und den Niederlanden.

 

Zwei Drittel der Kliniken befinden sich in der Restrukturierung
„50 % der deutschen Kliniken machen Verluste. Tendenz bis 2020 weiter steigend, besonders bei kleineren Häusern“, so der Gesundheitsmanager weiter. Ursachen gebe es viele, vor allem aber hausgemachte. „Hier müssen die Krankenhäuser ihre Hausaufgaben machen und sich restrukturieren“. Das tun auch schon zwei Drittel aller Kliniken. Die Bereitschaft dazu ist groß, um sich Handlungsspielräume für Innovationen zu schaffen. Wichtig sei dabei eine Priorisierung sowie die Mitnahme der Belegschaft.

 

Nach den Vorträgen diskutierten saarländische Gesundheitsexperten aus allen Bereichen über die aktuelle Situation im Saarland. Hier einige Statements:

 

  • Christiane Firk, Landesgeschäftsführerin Saarland, AOK Rheinland-Pfalz/Saarland:
    Die Zukunft bietet eine Chance, Strukturen zu ändern, Qualität und Bedarfsgerechtigkeit mehr zu berücksichtigen.
  • Rafael Lunkenheimer, Geschäftsführer Caritasgesellschaft Saarbrücken mbH:
    Trotz zahlreicher neuer Gesetze in den letzen Jahren, ist das neue Krankenhausstrukturgesetz ein guter Ansatz.
  • Dr. Thomas Jakobs, Geschäftsführer Saarländische Krankenhausgesellschaft e.V.:
    Die Krankenhäuser sind bereit, sich zu verändern. Es fehle allerdings ein zweistelliger Millionenbeitrag bei den Investitionen und das bei einer sehr dünnen Personaldecke.
  • Staatssekretär Stephan Kolling, Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen:
    Veränderungen bei den soft skills sind von Nöten: Vereinbarkeit von Familie und Beruf beispielsweise.
  • Dr. med. Thomas Vaterrodt, Chefarzt Neurologie:
    Bündnisse zwischen großen und kleinen Playern im Saarland helfen kleinen Häusern zu überleben und Patienten, wohnortnah zu gesunden.

 

Foto:
Saarländische Gesundheitsexperten aus allen Bereichen des Gesundheitssystems diskutieren über die aktuelle Situation im Saarland, von li nach re: Dr. Thomas Siemer (healthcare.saarland), Dr. med. Thomas Vaterrodt (Chefarzt Neurologie), Dr. Thomas Jakobs (Geschäftsführer Saarländische Krankenhausgesellschaft), Moderatorin Sabine Ertz (Saarländischer Rundfunk), Staatssekretär Stephan Kolling (Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen), Rafael Lunkenheimer (Geschäftsführer Caritasgesellschaft Saarbrücken), Christiane Firk (Landesgeschäftsführerin Saarland der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland


Ansprechpartner

Dr. Thomas Siemer

healthcare.saarland

Tel.: 0681 9520-459

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: thomas.siemer@saaris.de