50 Jahre ZF im Saarland: Eine Erfolgsgeschichte mit Zukunft

Der Automobilkonzern ZF feiert 2020 sein 50jähriges Bestehen im Saarland. Mit über 8000 Mitarbeitern ist der weltweit renommierte Automobilzulieferer größter Arbeitgeber des Landes. Er ist zugleich bedeutender Kunde und Partner vieler saarländischer Unternehmen und Forschungsstellen und nimmt eine herausragende Rolle im Netzwerk der saarländischen Automobilindustrie ein.

 

24. November 2020


Das Saarbrücker ZF-Werk zählt zu einem der bedeutendsten Standorte der ZF-Konzerns weltweit. Saarbrücken ist Leitstandort für die Automatgetriebetechnologie und fertigt seit 1973 Automatgetriebe auf höchstem Niveau. Damals verließen rund 40.000 Getriebe pro Jahr das Werk. Heute werden täglich bis zu 10.000 Automatgetriebe für namenhafte Kunden in der ganzen Welt produziert. Mit der Einführung des 8HP brachte ZF erstmals ein voll-hybridfähiges Automatgetriebe auf den Markt. Dabei lassen sich Mild-, Voll- und Plug-in-Hybridsysteme mit dem Grundgetriebe des 8-Gang-Automatgetriebes umsetzen. Mit dem 8HP der vierten Generation, für welches der Serienstart 2022 geplant ist, wird eine deutliche CO2-Reduzierung bei gleichzeitig gestiegener elektrischer Performance möglich.

Standort Saarbrücken maßgeblich an Entwicklung der ZF-Getriebetechnologie beteiligt

„In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die ZF-Getriebetechnologie mit hoher Geschwindigkeit weiterentwickelt. Daran war und ist der Standort Saarbrücken maßgeblich beteiligt. Die hochqualifizierte und motivierte Belegschaft hat diesen Standort zu dem gemacht, was er jetzt ist: eine Erfolgsgeschichte auf ganzer Linie“ sagt Alexander Wortberg, Standortleiter im Saarbrücker Werk. „Die fortschreitende Elektrifizierung des Antriebsstrangs ist für uns sowohl Chance als auch Herausforderung, die wir mit unseren hochqualifizierten und engagierten Teams gerne annehmen.“

Saarbrücken zukünftig Leitstandort für teilelektrifizierte Antriebslösungen

Eine weitere bedeutende Entwicklung für den Standort ist die Zusammenlegung der Division Pkw-Antriebstechnik mit der Division E-Mobility zum 1. Januar 2021. ZF richtet sich mit diesem Schritt konsequent auf die Transformation der Branche hin zur Elektrifizierung des Antriebs aus. Mit einem Produktportfolio von konventionellen über teilelektrifizierte bis zu rein elektrischen Antriebslösungen kann die neue Division den Markt aus einer Hand optimal bedienen. Saarbrücken wird in der neuen Konstellation Leitstandort für teilelektrifizierte Antriebslösungen sein. „Die Zusammenlegung der beiden Divisionen treibt den Transformations-Prozess im Unternehmen weiter voran und kombiniert das Know-how beider Divisionen, um den wachsenden Anforderungen des Wandels im Automobilmarkt optimal begegnen zu können“ sagt Stephan von Schuckmann, Leiter der neuen Division. „Der Anteil im Hochvolt-Segment der elektrischen Antriebe wird bei ZF in den kommenden Jahren drastisch zunehmen. Die Plugin-Hybride spielen dabei eine große Rolle. Aber auch unsere Aktivitäten im Bereich der rein elektrischen Antriebe sowie unsere gemeinsame Marktkompetenz wird die neue Division nach vorne tragen. Dabei können sich auch neue Chancen für alle Standorte entwickeln,“ so von Schuckmann.

Beschäftigungsentwicklung hat Auswirkugen auf die ganze Region

Damit der Standort Saarbrücken zukünftigen Herausforderungen effizient und agil begegnen kann, setzt er seinen Fokus verstärkt auch auf die Digitalisierung und Vernetzung seiner Werke. Bereits heute laufen am Standort unterschiedliche Projekte im Bereich Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz. Durch diese Technologien erhöht das Werk die Prozesssicherheit seiner Produktion sowie die Qualität der Produkte. Mario Kläs, Betriebsratsvorsitzender am Standort Saarbrücken, blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft:„Die Corona-Pandemie hat den Transformationsprozess enorm beschleunigt. Mit unserem Hybrid-Getriebe bieten wir zwar ein elektrifiziertes Produkt an, dennoch ist es derzeit ganz schwer abzusehen, wie schnell sich der Automobilmarkt in Richtung „vollelektrisches Fahren“ entwickeln wird. Von dem starken Wachstumstrend der letzten 50 Jahre werden wir uns aller Wahrscheinlichkeit nach sicher verabschieden müssen. ZF ist der größte Arbeitgeber im Saarland. Damit das so bleibt und um die Beschäftigung langfristig abzusichern, hoffe ich, dass an unserem Standort ein zukunftsfähiges Produkt angesiedelt wird. Denn die zukünftige Beschäftigungsentwicklung hat zwangsläufig Auswirkungen auf die ganze Region.“

 

50 Jahre Standortentwicklung

Der Grundstein für den heutigen ZF-Standort Saarbrücken wurde 1970 in einer Gesellschafterversammlung der ZF – Borg-Warner GmbH als Gemeinschaftsunternehmen der ZF AG und der Borg Warner Corp. gelegt. Damals fiel die Standortentscheidung für die zukünftige Herstellung für automatisierte Getriebe für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge auf Saarbrücken. Bevor die Produktion am Saarbrücker Südring anlief, begann die Geschichte des Standortes mit der Ausbildung von 20 Jugendlichen in einer eigens dafür errichteten Traglufthalle. Wenig später begannen die Bauarbeiten für das heutige Werk 1. 1973 liefen erstmals die Produktionsbänder mit dem 3HP für 1,5l- und 2.2l-Motoren an.

Auf das 3-Gang-Automatgetriebe folgte 1982 die Serieneinführung des 4HP. Die Auftragslage entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren positiv, sodass der Standort auch baulich weiter wachsen sollte. 1986 wurde das Werk um die Hallen 1 und 3 erweitern. 1988 folgte der Bau von Halle 6. Die bebaute Fläche betrug damit ca. 123 000 Quadratmeter und hatte sich innerhalb eines Jahrzehnts verdreifacht.

Mit dem 20-jährigen Jubiläum des Standortes im Jahr 1990 ging auch die Serienproduktion des ersten 5-Gang-Automatgetriebes an den Start. Zu diesem Zeitpunkt zählte der Standort 3.439 Mitarbeiter, einen Jahresabsatz von 353.000 Getrieben und einen Umsatz von umgerechnet 479 Millionen Euro.

Ein Jahr nach dem Jahrtausendwechsel, 2001, lief am Standort die Serienproduktion des innovativen 6-Gang-Automatgetriebes an – ein echter Meilenstein für den Standort. Denn das 6HP bot nicht nur sechs Gänge. Aufgrund neuer Materialien war es deutlich leichter als seine Vorgänger und benötigte rund ein Drittel weniger Bauteile. Somit sank auch der Kraftstoffverbrauch. Ein Ansatz, der auch bei den Kunden großen Anklang fand und sich in den Absatzzahlen wiederspiegelte. 2006 überstieg die Jahresproduktion erstmals die Millionen-Marke.

2007 vollzog ZF mit der Serieneinführung des 8-Gang-Automatgetriebes den Sprung von sechs auf acht Gänge. Gleichzeitig stellte die Finanzkrise den Standort vor enorme Herausforderungen. Doch es gelang dem Unternehmen alle Mitarbeiter an Bord zu halten. Die in den darauffolgenden Jahren weltweit steigende Nachfrage nach dem 8HP führte unweigerlich zu einem weiteren Ausbau der Fertigungskapazitäten. 2011 übernahm ZF das ehemalige Bauknecht-Werk in Neunkirchen Wellesweiler, um dort das heutige Werk 5 zu errichten. 2013 wurde erstmals die Marke von 2 Millionen produzierten Getriebe pro Jahr überschritten. Noch im selben Jahr übernahm der Standort das ehemalige Peugeot-Gebäude in Güdingen, um Teile der Entwicklung und des Einkaufs dorthin zu verlagern. Und auch am Südring selbst wurde 2016 ein modernes Verwaltungsgebäude sowie ein neues Parkhaus gebaut.

2017 entstand am Standort dann eines der größten und modernsten Ausbildungszentren Deutschland und folgte damit der langjährigen Tradition einer modernen und hochqualifizierten Ausbildung am Saarbrücker Standort. Ein neuer Fokus in der Ausbildung ist dabei auch die Digitalisierung. Das neue Ausbildungszentrum schafft Zukunftsperspektiven für die junge Generation und nicht zuletzt auch für den Standort Saarbrücken.