3D-Druck Symposium – Additive Fertigung im Fahrzeugbau

Der automobile Strukturwandel stellt die saarländische Industrie vor besondere Her¬ausforderungen. Mit einem Symposium gaben automotive.saarland und IHK Saarland Impulse zum Einsatz dieser innovativen Technologie. Eine Fachausstellung zeigte praktische Umsetzungsbeispiele. Über 200 Teilnehmer waren zu Gast.

 

11. März 2020


Hochkarätige Key-Speaker aus der Automobilindustrie berichteten über die Additive Fertigung, wie sie in ihrem Unternehmen zum Einsatz kommt. Martin Bock, Gesamtprojektleiter Metall 3D-Druckzentrum bei Audi, setzt die Technologie bereits seit vielen Jahren erfolgreich im Unternehmen ein. „Drucken kann jeder, prozesssicher pro¬duzieren aber nicht“, beschreibt der Manager eine der Herausforderungen.

 

Carsten Merklein von Schaeffler lobte die Verbesserung und Modernisierung von aktuellen Produktionsprozessen mit Hilfe der neuen Technologie, dabei seien allerdings ein langer Atem und Durchhaltevermögen erforderlich. Auch die Mitarbeiter sollten eingebunden, weitergebildet und begeistert werden.

 

Auch bei Daimler ist 3D-Druck seit Jahren erfolgreich in der Anwendung. Im Saarland wird 3D-Druck bereits an vielen Stellen verwendet. Professor Dirk Bähre von der Saar-Universität sprach vor allem über die Nachbearbeitung additiv gefertigter Bauteile: Etwa 70 % der Kosten entfielen hierauf und böten Einsparpotenziale.

 

Dr. Dominik Britz vom Steinbeis Material Engineering Center zeigte, dass 3D-Druck-Bauteile andere Eigenschaften aufweisen als konventionell hergestellte. Der Schlüssel zum Verständnis sei ein Blick in das Innere des Materials und dessen Gefüges.

 

Mathieu Bieber von ZF Saarbrücken riet den Teilnehmern, beim Einstieg in die Additive Fertigung mit Kunststoffdruckern zu beginnen. Diese führten schneller zu Erfolgen. Im Unternehmen solle man mit interessierten Mitarbeitern und kleinen Insellösungen starten. Erste Erfolge konnten bei ZF schnell in andere Unternehmensbereiche übertragen werden. Mathieu: „Heute laufen unsere 3D-Drucker rund um die Uhr.“

 

Einen unkomplizierten und kostengünstigen Einstieg in die neue Technologie stellte Alexander Petto, Geschäftsführer der saarpri.com vor: FDM – Fused Deposition Modeling sei die günstigste Art des 3D-Drucks. Einfacher Betrieb, robuste Kunststoffbauteile sowie geringe Anschaffungs- und Wartungkosten eröffnen auch kleinen Unternehmen einen einfachen Einstieg. „Wo sich Markt- und Produktstrukturen ändern, sind Flexibilität und Anpassungsfähigkeit erforderlich. Viele Unternehmen haben dies erkannt. Sie setzen vermehrt auf neue Technologien wie die additive Fertigung, um im Transformationsprozess, der die Automobilwirtschaft in einer nie dagewesenen Veränderungsdynamik, Tiefe und Breite erfasst, wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärte IHK-Geschäftsführer Dr. Carsten Meier.

 

Dr. Pascal Strobel, Leiter des Branchennetzwerkes automotive.saarland, ist sich sicher: „Die saarländische Automobilindustrie kann sich die Vorteile der 3D-Druck-Technologie zunutze machen.“ Gute Möglichkeiten für einen sinnvollen Einsatz böten sich zum Beispiel in der Produktentwicklung, der Fertigung und der Instandhaltung. „Damit können wir schneller, effizienter und kostengünstiger werden und sind im zunehmenden globalen Wettbewerb auch zukünftig gut aufgestellt.“

 

Mut machte auch die Wirtschaftsministerin des Saarlandes, Anke Rehlinger, zu Beginn der Veranstaltung: „Gemeinsam packen wir im Saarland den Strukturwandel offensiv an. Für unseren Wirtschaftsstandort bietet die Verknüpfung von Industrie und Digitalisierung ein enormes Potenzial für Wachstum und Beschäftigung. Der 3D-Druck ist ein wichtiger Baustein dafür, unseren Wettbewerbsvorsprung durch Technologie zu sichern. Mit Innovationen wie dieser haben wir die Chance, das Industrieland Saarland auf eine internationale Spitzenposition zu bringen und auch beim Klimaschutz Vorreiter zu sein.“


Ansprechpartner

Dr. Pascal Strobel

Leiter Netzwerk automotive.saarland

Tel.: 0681 9520-492

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: pascal.strobel@saaris.de

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger bei ihrem Vortrag vor vollem Hause (Foto: Peter Kobier)