Vom Cocktail-Roboter zum Sprachassistenten im Handy

20. November 2017


Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt zog der sprechende Cocktail-Roboter der Saarbrücker Computerlinguisten die Besucher der Computermesse Cebit in den Bann. Wie ein Barkeeper unterhielt er sich locker mit den Messebesuchern und mixte dabei Cocktails zusammen. Heute findet sich die dafür entwickelte Sprachtechnologie in jedem Smartphone, in vielen Autos und in intelligenten Haushaltsgeräten. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie die Grundlagenforschung der Saarbrücker Computerlinguisten unseren Alltag verwandelt hat. Am 28. Oktober feiert die international renommierte Fachrichtung der Universität des Saarlandes ihr 25-jähriges Jubiläum

 

Zu der Festveranstaltung werden Wissenschaftler aus aller Welt erwartet, aber auch Absolventen, die heute bei Google, Amazon und Microsoft arbeiten oder selbst eine Firma gegründet haben wie die Saarbrücker Firma SemVox. Am 30. Oktober ab 14 Uhr werden Forscher, Studenten und Absolventen aus der Industrie aktuelle Forschungsprojekte und Beispiele der vergangenen 25 Jahre präsentieren (Gebäude C7 4). Ab 18 Uhr werden in der Aula Universitätspräsident Manfred Schmitt, Dr. Susanne Reichrath für die Landesregierung, Professorin Margret Wintermantel für den Hochschulrat und Professor Wolfgang Wahlster für das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) Grußworte sprechen. Anschließend werden die Professoren Hans Uszkoreit, William Barry und John Nerbonne sowie die Professorin Elke Teich in ihren Festreden auf 25 Jahre Saarbrücker Computerlinguistik und Phonetik zurückblicken.

 

Hintergrund zur Saarbrücker Computerlinguistik

 

Die Computerlinguisten an der Universität des Saarlandes haben sich in den vergangenen 25 Jahren gemeinsam mit den Wissenschaftlern am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) international einen herausragenden Ruf erarbeitet. Der Saarbrücker Campus und die Universität Edinburgh sind heute die beiden wichtigsten Standorte für Computerlinguistik in Europa. International sind auch die Studiengänge ausgerichtet. Das Masterprogramm wird schon seit 2003 auf Englisch unterrichtet, seit 2006 ist die Saar-Uni zudem Koordinator des Erasmus-Mundus-Programms für den Masterstudiengang "Language and Communication Technologies" mit sechs weiteren Partneruniversitäten in Europa sowie in Shanghai und Melbourne. Viele Absolventen der Saar-Uni haben in der Wissenschaft Karriere gemacht oder arbeiten weltweit bei den führenden IT-Unternehmen.

 

Im Jahr 2000 erhielt Professor Manfred Pinkal den renommierten Leibniz-Preis. Gemeinsam mit Professor Hans Uszkoreit, der zuerst an der Saar-Uni forschte und dann an das DFKI wechselte, hat er die Saarbrücker Computerlinguistik aufgebaut. Schon früh war die Fachrichtung an großen Sonderforschungsbereichen beteiligt, zuerst zum Thema "Ressourcenadaptive kognitive Prozesse", seit 2014 zur „Informationsdichte und sprachlichen Kodierung“.  Auch beim großen Verbundprojekt "Verbmobil" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in den 1990er Jahren und dem Internationalen Graduiertenkolleg "Language Technology and Cognitive Systems" mit der Universität Edinburgh spielte die Saarbrücker Computerlinguistik eine zentrale Rolle. Gemeinsam mit der Informatik der Universität des Saarlandes, den beiden Max-Planck-Instituten und dem DFKI ist die Computerlinguistik seit 2007 zudem am Exzellenzcluster "Multimodal Computing and Interaction" beteiligt. Auch am Vollantrag für ein neues Exzellenzcluster arbeiten die Computerlinguisten derzeit mit.