DFKI-Projekt AlterEgo gewinnt „Trophée Les étoiles de l’Europe“

18. Dezember 2017


Virtuelle Realität und humanoide Roboter verringern Kommunikationshemmnisse von Menschen mit sozialen Interaktionsstörungen

 

Für eine neue Rehabilitationsmethode für Patienten mit sozialen Pathologien wie Schizophrenie, Autismus oder manischen Ängsten, wurde das Projektteam von AlterEgo bei der fünften Auflage der „Étoiles de L’Europe“ (Sterne Europas) ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand am 4. Dezember 2017 im Rahmen des vierten Forums Horizon 2020 in Paris statt. Die Veranstaltung stand unter Schirmherrschaft der französischen Ministerin für Hochschulbildung, Forschung und Innovation, Frau Frédérique Vidal. Alain Beretz, Generaldirektor für Forschung und Innovation, und Jean Chambaz, Präsident der Pierre et Marie Curie Universität und Vorsitzender der European Stars Jury, übergaben die Trophäe für AlterEgo an den Koordinator des Projekts, Benoît Bardy, Professor für Bewegungswissenschaften und Direktor des EuroMov-Zentrums an der Universität Montpellier, der die Trophäe stellvertretend für das gesamte Team entgegennahm. Das Konsortium vom AlterEgo setzte sich gegen 50 Mitbewerber durch und gewann eine von 12 Trophäen.

 

In AlterEgo entwickelte und erprobte ein interdisziplinäres Projektteam mit Wissenschaftlern aus Frankreich, Deutschland, England und der Schweiz eine neue Rehabilitationsmethode, die Patienten mit sozialen Pathologien spielerisch zur Kommunikation mit ihrem virtuellen Zwilling und einem humanoiden Roboter animiert.

 

Wissenschaftler des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern haben eigens für AlterEgo einen 3D-Ganzkörperscanner für die Erstellung der individuellen Avatare realisiert. Prof. Didier Stricker, Leiter des am Projekt beteiligten DFKI-Forschungsbereichs Erweiterte Realität, zur Funktionsweise der neuen Technologie: „Der Scanner erfasst mit Hilfe von 44 Spiegelreflexkameras in Sekundenbruchteilen Bilder aus allen Perspektiven. Im Anschluss wird ein virtuelles deformierbares Abbild der Person erstellt. Das neue Scanning-System ermöglicht die Erstellung eines individuell animierbaren Modells einer Person innerhalb kürzester Zeit. Die neuartigen Scanning-Methoden bieten über die Anwendung in der Rehabilitation hinaus großes Potential in weiteren Bereichen. Die automatisierte Erstellung eines digitalen, dreidimensionalen und beweglichen Avatars lässt sich beispielsweise für Filmproduktionen oder interaktive Computerspiele einsetzen“.

 

Die Auswertung der Feldtests zeigte, dass eine schrittweise Anpassung der Mischung aus Ähnlich- und Unähnlichkeit erfolgreich in der Therapie ist. Die Patienten beschäftigen sich zunächst spielerisch mit ihrem digitalen Zwilling. Der Avatar wird mit der Zeit dann schrittweise verfremdet und schließlich verschiedenen Interaktionsszenarien mit dem "iCub", einem humanoiden Roboter aus dem RobotCub-Projekt.

 

Weitere Informationen auf http://idw-online.de/de/news686056